Madrid & Marrakesch

Freunde, was war da denn los? Verrückter hätte dieser Trip nicht werden können. Mitte August suchte ich spontan ein wenig bei Skyscanner nach günstigen Flügen für den Oktober. Kurzerhand hab ich dann einen Flug mit Ryanair von Hamburg nach Madrid für 30€ gebucht. Von da aus ließ sich sicherlich was machen. 2 Tage später buchte ich dann Madrid nach Marrakesch, ebenfalls mit der irischen Fluggesellschaft für 45€. Anschließend sollte es dann von Marrakesch nach Weeze zurückgehen. Am Montag um 9:30 Uhr sollte also der Flieger in Richtung spanischer Hauptstadt abheben, bevor es dann nach Nordafrika weiter ging. Die Vorfreude war groß, war Marrakesch für mich und den Kumpel, der mich begleitete, bisher ein völlig unbeschriebenes Blatt. Außerdem konnten wir mit Afrika zum ersten Mal einen anderen Kontinent betreten. Am Abend vor unserer Abreise hatten wir beide eine Firmenfeier, bei der es feuchtfröhlich zur Sache ging. Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Der Zug nach Hamburg fuhr schon um halb sieben, deshalb war das Treffen am Bahnhof auf 6:15 Uhr angedacht. Machen wir es kurz: Um 6:00 Uhr lag ich noch im Bett. Dank meines Vaters, der mich weckte und dann wie ein marokkanischer Taxifahrer innerhalb von 20 Minuten zum Bahnhof fuhr, konnte ich den Zug noch erreichen. Die Begeisterung meiner Begleitung war eher mittelmäßig. Erst im Zug erblickte ich dann die 10 verpassten Anrufe. Ups. Gut vorbereitet hatte ich meinen Koffer natürlich am Tag zuvor schon fertig gepackt, was mir am Ende den Arsch gerettet hat. Genau so müde wie pünktlich kamen wir dann am Hamburger Flughafen an. Leider bin ich ja einer der Art Menschen, die im Flugzeug nicht schlafen können, deshalb musste ich noch auskommen, bis wir im Hostel waren. Ausnahmsweise gönnten wir uns heute die teure Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen zum Plaza Mayor. Von hier aus waren es nur wenige Meter zu unserer Unterkunft, dem "Hostal Luz" welches mitlerweile wohl "Luz Madrid Rooms" heißt. War gar nicht so leicht zu finden, befindet sich nämlich in einem Wohngebäude hinter einer verschlossenen Holztür ohne Klingel. Hinein gefunden haben wir nur wegen der zufällig gerade hinauskommenden anderen deutschen Touristen, die uns dann nach oben verwiesen. Oben nahm uns dann das nächste Unheil namens "Margerita" in Empfang. Eine ältere Dame am Empfang, die es erstmal 20 Minuten nicht für nötig hielt ihr Telefonat zu unterbrechen um uns einzuchecken. Als sie dann endlich fertig war und nach weiteren 10 Minuten endlich die Buchung fand, erklärte sie uns alles zum Hostel. Und wo wir frühstücken mussten. Und wie wir am besten zu den Sehenswürdigkeiten in der Nähe kommen. Glaube ich zumindest, erklärte sie nämlich alles auf Spanisch, während sie wie wild gestikulierte. Das ging auch so weiter, obwohl ich ihr zum gefühlt zwanzigsten Mal versuchte zu erklären, dass ich kein Wort verstand. Comprende? Nö. Umso glücklicher waren wir, als wir endlich im Zimmer waren und unsere Ruhe hatten. Nach einem kleinen Powernap und ner Dusche gings dann erstmal raus und die Gegend erkunden. Deutlich wärmer als angekündigt kam Madrid daher. Direkt neben dem Plaza Mayor liegt in einer kleinen "Halle" ein Foodmarket den wir dann erstmal unsicher machten. Ganz schön teuer das Ganze, deswegen zog es uns dann erstmal wieder raus zum gegenüber liegenden Supermarkt. Mit ner gut gekühlten Dose Fanta Exotic, die hier nur 35 Cent kostete, führten wir dann unseren kleinen Spaziergang durchs Viertel fort. Als dann langsam die Sonne unterging und die Straßenhändler die Plätze und Straßen in der Nähe der Touristengebiete für sich eroberten, ging es dann zurück in Richtung Hostel. Etwa zwei Minuten davon entfernt erblickten wir dann einen kleinen Dönerladen mit erschwinglichen Preisen, der uns dann als Abendbrot diente. Der war sogar erstaunlich lecker und stimmte perfekt auf die wohlverdiente Nachtruhe ein. 

 

Am nächsten Tag stand für uns dann die Besichtigung das Santiago Bernabeu an. Nach einem leckeren Frühstück ging es zu Fuß einige Kilometer durch die Vormittagssonne zum Stadion. Am Ticketschalter wollte uns die Olle dann irgendwelche Bonussuperspecialmitgliedercards andrehen, die wir natürlich dankend ablehnten. Also zogen wir uns erstmal zurück und entdeckten einen anderen Ticketschalter, der ganz normale Stadium Tour Tickets verkaufte. Zwei Stunden verbrachten wir im weiten Rund. Wirklich ein beeindruckendes Stadion und auch das Museum wusste zu gefallen. Eigentlich bin ich nicht unbedingt der Fan solcher Besichtigungen, aber da mich der hier beheimatete Verein in keinster Weise juckte, war das schon okay. Positiv war, dass man nicht an eine Führung gebunden war sondern sich relativ frei bewegen konnte. Man wurde zwar an einigen Stellen den vorgegebenem Weg gewiesen, konnte sich aber in seinem eigenen Tempo bewegen. Am Ende kam man dann im Fanshop heraus, welchen wir natürlich direkt verließen. Angesagt waren für heute 23 Grad und einige Wolken, was sich aber als falsch erwies. Tatsächlich waren keine Wolken am Himmel und das Thermometer zeigte 32 Grad an, so ass auf dem Weg zurück schon ein leichter Sonnenbrand den Antlitz unserer bleichen deutschen Touristenhaut zierte. Den üblichen Tag verbrachten wir dann mit etwas Sightseeing, den örtlichen Cervezas und jeder Menge Essen. Zum Abschluss gab es dann noch eine kleine, feine und viel zu teure Portion Paella in dem angesprochenen Foodmarket. Zum Runterspülen noch einen vorzüglichen Sangria mit jeder Menge Fruchtstücken drin. Auch der wusste zu überzeugen. Dann ging es wieder in Richtung Hostel, denn morgen stand ja schon der Flug nach Marokko an. 

 

 

Am Morgen wurde dann noch Mal das leckere Frühstück aus Toast, Ei, Bacon und einem frischen Orangensaft zu sich genommen. Das Frühstück war im Hostelpreis inkludiert und gabs gegen Vorlage eines Coupons im gegenüberliegenden Café. Nachdem unser Handgepäck wieder zusammengepackt war und wir uns von Margerita verabschiedeten, ging es auch schon los ins Abenteuer Nordafrikas. Der Flug verging dann auch relativ fix und schon sah man die vielen typischen mit Dachterrasse ausgestatteten Häuser der Souks von Marrakesch. Beim Aussteigen empfing uns schon eine wirklich drückende Hitze. Der Himmel war relativ bewölkt, das Wetter für die Tage eher durchwachsen angekündigt. Störte mich nicht, denn ich kann auf die brennende Sonne bei ohnehin schon 35 Grad auch verzichten. Beim Verlassen des Flughafens, wir waren wohl irgendwie die einzigen Europäer, stürmte natürlich jeder Anwesende Taxifahrer direkt auf uns zu. Nach etwas Verhandlung stiegen wir in eins der vertrauenserweckenden Taxen ein. Unser Taxifahrer hatte ein paar Sprachprobleme, wusste aber dann wohl doch wo er uns hinbringen durfte. Da uns komischerweise im Vorfeld zwei gebuchte Unterkünfte über booking.com wieder storniert wurden, hatten wir nun eine der günstigsten Varianten, einem Riad in der Nähe des berühmten Marktplatzes Djemaa el Fnaa. Während der Fahrt blies die warme Luft durch das klapprige Gefährt und ich versuchte die Scheibe hochzukurbeln. Darauf reagierte unser Taxifahrer dann mit einem Grinsen und einem „no,no“. Dann bemerkte ich auch schon warum: da war gar keine Scheibe mehr, die man hochkurbeln konnte. Auch nicht schlecht. Das Beste kam dann aber noch. Als wir in die Souks fuhren, hatte ich schon das Gefühl, nie wieder hier raus zu finden. Als wir dann irgendwann an einer Ecke, die so aussah wie die fünfundzwanzig Ecken zuvor, anhielten wurden wir beim Aussteigen von einem der anwesenden älteren Herren mit einem Böller begrüßt. Nette Geste, hab ich so auch noch nicht erlebt. Einer der Jüngeren durfte uns dann zeigen, welche Türen zu unserem Riad gehörte. Während wir warteten, dass uns die Tür geöffnet wird, wurden wir vom netten jungen Mann noch auf Haschisch eingeladen, was wir aus Höflichkeit lieber auf morgen verschoben, in der Hoffnung, er würde das bis dahin vergessen. So wie der Kollege aussah, hatte er das wohl fünf Minuten später schon nicht mehr auf dem Schirm. Das stellte sich zwar als falsch heraus, aber dazu später mehr. Im Riad wurden wir sehr freundlich empfangen. Das war zwar alles nicht das Luxuriöseste, aber darauf legten wir ja eh keinen Wert. Die „Rezeption“ war ein Holztisch auf dem ein kleiner Laptop stand und jede Menge Flyer für irgendwelche Touren drauf lagen. Dann gab es noch eine kleine Sitzecke, auf der meistens die anwesenden Mitarbeiter lagen und anscheinend ihre Serie über ein kleines Smartphone schauten, wenn sie nicht gerade irgendwen bedient hatten. In der Mitte, unüberdacht, stand dann noch der Tisch, wo morgens das Frühstück serviert wurde. Nach dem üblichen Papierkram und der Zahlung wurde uns dann erst mal ein ziemlich beschissener Kaffee serviert. Fand ich trotzdem nett. Im gleichen Atemzug lernten wir auch unseren Mitbewohner kennen, einen älteren Herren aus Puerto Rico, der mit seiner Frau ein Zimmer im Stockwerk über uns hatte. Dem durften wir dann auch gleich Rede und Antwort stehen, wo wir herkämen, was wir hier vor hätten und was wir unbedingt tun sollten. Während des Gesprächs fing es dann leicht an zu regnen, was aber keinen wirklich störte. Dann bekamen wir noch das Vorhängeschloss für unser Zimmer. Das war hier so üblich. Die Zimmer hatten alle Holztüren ohne Schlüsselloch, von innen und außen allerdings sehr gut befestigte Scharniere, an denen man dann das Schloss anbringen konnte. Im Zimmer gabs dann ein Bett, einen Ventilator, einen Nachttisch und eine Art Schreibtisch. Dazu eine kleine Ecke mit Toilette und Dusche. Ein kleines Fenster gab dann noch einen Blick in den Innenhof mit dem Frühstückstisch. Nach einer kleinen Eingewöhnungspause machten wir uns dann auf den Weg nach oben, um uns die Dachterrasse anzuschauen. Die hatte ihre besten Tage zwar hinter sich, hatte aber einen guten Ausblick und genau zwei Stühle. War also perfekt ausgestattet für uns. Da es schon ziemlich dunkel war und wir uns nicht unbedingt jetzt schon verlaufen wollten, versuchten wir auf der Nahrungssuche im Umkreis der Straße unseres Riads zu bleiben. Ein paar Meter weiter erblickten wir dann schon ein Restaurant mit überdachter Terrasse, was bei anhaltendem Nieselregen praktisch war. Der Besitzer empfing uns dann auch mit Begeisterung, allerdings erst nachdem wir ihm mitteilten, dass wir aus Deutschland kommen. Er sei ja riesen Fan von Borussia Dortmund, findet Bayern München blöd und Aubameyang dafür ganz toll. An dieser Stelle bitte ein Merkzeichen machen, dem freundlichen Herren sollten wir am Folgetag noch ein mal begegnen. Nach einem guten Abendessen aus Bulgur, CousCous und leckerer Wurst gings dann zurück ins Riad. Mit der Beschaffung von Alkohol ist das in den muslimischen Ländern ja immer sone Sache. Umso erfreulicher, dass unsere Nachfrage nach Bier vom Mitarbeiter, den wir liebevoll Samuel tauften, da er der Laufbursche für alle im Riad war, bejaht wurde. Für relativ teure zwei Euro je Buddel wechselten so dann vier „...“ ihre Besitzer. Die Flaschen kamen zwar aus dem Kühlschrank, waren aber vergleichsweise ziemlich warm. Das war hier wohl so üblich. Nunja, bei 35 Grad Außentemperatur wirkt auch ein 15 Grad „kaltes“ Bier erfrischend. Der Himmel war zwar immer noch sehr bedeckt, aber der Regen war vorbei, so konnten wir den Abend dann auf der Dachterrasse ausklingen lassen. Die Geräuschkulisse ergab dann ein ziemlich wirres Bild, aus immer wieder zu hörenden kleinen Böllern, dem Gegröle der marokkanischen Schreihälse und den lauten Geräuschen des Marktes, der ja bekanntermaßen erst bei Sonnenuntergang wirklich zu Leben beginnt. Was das bedeutet, sollten wir dann noch erfahren.

 

Ob der Hitze begann der Folgetag dann relativ früh. Das servierte Frühstück, welches aus dem landestypischen Brot, einer kleinen Schale Honig, etwas Butter und einer Kanne Kaffee bestand, ließ zwar zu wünschen übrig, füllte aber den Magen. Hierbei sei angemerkt, dass wir für unsere Unterkunft insgesamt 45 Euro zahlten. Und das mit zwei Personen für vier Tage. Deshalb war ich froh, überhaupt etwas aufgetischt zu bekommen. Mit gut gefülltem Magen gings dann zum ersten Mal hinaus in die engen Gassen, die unser Riad umzogen. Zur Sicherheit fotografierte ich noch das Graffiti vor der Tür, falls uns aus irgendwelchen Gründen der Orientierungssinn verlassen sollte. Vor der Tür begegneten wir dann unserem neuen Freund, der sich leider noch dran erinnern konnte, dass wir heute mit ihm Haschisch rauchen wollten. Oder was auch immer dieTypen hier damit machen. Dummerweise hatten wir es verdammt eilig und keine Zeit für einen solchen Stop. Wie schade aber auch. Direkt an der ersten Ecke wurden wir dann Zeugen der Fahrkünste der Einheimischen. Dass man normalerweise vor einer Ecke abbremst, wenn man nicht weiß ob von der anderen Seite jemand kommt, sollte eigentlich auch hier allen klar sein. Dem war aber nicht so und deshalb rauschte der Gute mit seinem Roller direkt in die Seite einer jungen Dame die mit ihrem Gefährt vor ihm auftauchte. So ist das hier nun mal. Karma scheint es aber auch in Marokko zu geben. Zumindest wenn man in das schmerzverzerrte Gesicht des Rallyefahrers sah, dessen Lenker wohl Bekanntschaft mit der wertvollsten Stelle eines Mannes machte. Der anderen Rollerfahrerin ging es erstaunlich gut und nach einigen netten Worten fuhr sie dann auch wieder davon. Herzlich Willkommen in Marrakesch. Nach einigen Minuten Fußmarsch kamen wir dann am Djemaa el Fna an. Hier war relativ wenig los, allein zwei bis drei Orangensaftstände standen in der Gegend rum. Für etwa 40 Cent kann man hier einen frisch gepressten Orangensaft trinken. Wirklich lecker und sehr wohltuend, denn heute war das Wetter deutlich besser als am Abend zuvor. Die Sonne lachte bei wolkenlosem Himmel mit den Verkäufern auf der Straße um die Wette. Wir gingen dann weiter durch erste Verkaufsstraßen, wo man vor jedem Laden - und davon gibt es viele - angesprochen wird, ob man nicht Lust hätte hinein zu kommen. Da ich Lust hatte ein bisschen zu verhandeln und ich ja dieses Hobby habe, von meinen Reisen immer einen Schal des ortsansässigen Vereins mitzubringen, schaute ich mal bei einem Laden rein, der aussah als könne er mir so etwas bieten. Normalerweise kaufe ich solche Schals ja nur bei Spielen, die ich auch besuche, dummerweise war aber Länderspielpause und Marokko hatte ein Auswärtsspiel. Schals eines Vereins aus Marrakesch hatte hier auch keiner, allerdings sprach mich ein Schal von Raja Casablanca an, der an der Wand hing. Darauf angesprochen schickte der Verkäufer direkt zwei Lakaien los, den Schal von der Wand zu holen. Währenddessen durfte ich mir auf die Frage nach dem Preis erst mal die Situation in Casablanca mit den beiden großen Vereinen Raja und Wydad anhören. Danke dafür. Wenn du Dödel mir schon ungefragt Infos zusteckst, die ich sowieso schon kenne, kannst du mir vielleicht auch sagen ob hier in der Nähe in den Tagen ein Fußballspiel stattfindet. Natürlich konnte er das nicht. Jetzt wollte ich aber den Preis wissen. Immerhin hatten seine Untertanen den Schal mittlerweile von der Wand bekommen. Anders als den Staub vom Schal. Das durfte Chef selbst erledigen. 450 Dirham verlangte der Bengel dafür. Was knapp 40 Euro ergibt. Und das für einen Stoffschal. Meine Begeisterung hielt sich entsprechend in Grenzen. Als ich ihm sagte, dass er froh sein solle wenn ihm jemand 100 Dirham dafür gibt, sollte ich ihm doch einen „democratic price“ machen. 50 Dirham bot ich ihm an, was er natürlich verneinte und versuchte, das verstaubte Stück Stoff nochmal an zu preisen. Ich sagte ihm dann, ich würde mal schauen, was ich gegenüber im Laden so finden würde. Plötzlich waren 70 Dirham für ihn völlig in Ordnung. Am Ende einigten wir uns dann auf 55 Dirham und einer seiner Untertanen durfte dafür den Staub nochmal ordentlich entfernen. Mein Begleiter kaufte sich für umgerechnete 15 Euro noch ein Lacoste Polo. Natürlich original. Zumindest laut Verkäufer, ist ja klar. Ich will gar nicht wissen, wie viele Trottel schon auf diese Preise reingefallen sind. Aber irgendwo muss das Geld ja herkommen. Merkt euch bitte auch diese Stelle. Auf dem Rückweg in Richtung Marktplatz wurden wir dann wie siebenhundertfünfzigtausenddreihundertachtundneunzig Mal am Tag angesprochen, wo wir denn herkommen und wo wir hin möchten. Das wird logischerweise schlimmer, wenn man schon etwas gekauft hat und das mit sich trägt. Denn so signalisiert man ja, dass man durchaus gewillt ist Geld auszugeben und vielleicht ist man ja einer der Trottel, die gerne mal viel zu viel Geld für Schrott bezahlen. Diesmal führte uns ein älterer Herr in einen Laden für Heilmedizin, den er uns unbedingt zeigen musste. Wirkte sogar ganz nett, der Laden. Der anwesende Weißkittel sprach sogar teilweise Deutsch. Ist jetzt nicht immer unbedingt vertrauenserweckend, war aber im Nachhinein sehr informativ. Auch wenn er uns natürlich nur etwas verkaufen wollte, erklärte er uns Verwendungsmöglichkeiten zu allem möglichen an Kräutern und Gewürzen. Trotzdem kauften wir natürlich nichts, bedankten uns und machten uns dann auf den Weg zurück ins Riad. Vorm Riad ist ein kleiner Kiosk, wo anscheinend Samuel seinen Zweitjob hat. Oder er hat einen Zwillingsbruder. Zumindest kauften wir uns da beide ein großes Fladenbrot und eine lauwarme Flasche Cola für insgesamt zwei Euro. Das war fair. Die wirklich eklige Nachmittagshitze gepaart mit jeder Menge Abgas machte uns schon zu schaffen, deswegen verbrachten wir die restlichen Stunden bis zum Sonnenuntergang im Bett und nutzten das WLAN aus. Als am Abend dann der Hunger einsetzte, entschieden wir uns azu, dem Djemaa el Fna einen erneuten Besuch abzustatten. Als wir dort ankamen, war das Treiben auf dem Platz schon deutlich größer als am Mittag, also stürzten wir uns einfach mal hinein. Was direkt auffiel, die Ausmaße der Stände waren bedeutend kleiner als erwartet und im Internet dargestellt. Normalerweise wäre man nach 10 Minuten schon ein Mal um den Markt gelaufen. Normalerweise. Denn was hier vor sich ging, ist sicherlich nicht Jedermanns Sache. Denn vor jedem Stand befinden sich mindestens zwei Personen, die dir penetrant irgendwelche Speisekarten ins Gesicht drücken und dich dazu bewegen wollen zu ihrem Stand zu kommen. Ich hab mit Sicherheit kein Problem mit Leuten, die ihren Stand anpreisen oder einen ansprechen, aber spätestens nach dem dritten „No“ sollte dann auch gut sein. Das war hier bei Weitem nicht der Fall. Und sobald man den Einen los war, lauerte der Nächste schon nicht mal einen Meter weiter. Neben dem üblichen Palaver über das „Special Food“, welches man bei jedem Stand bekommt man die üblichen Fragen der Herkunft und alle sind plötzlich Bushidofan. Netter Versuch, das macht dich nicht unbedingt sympathischer, Kollege. Am Ende das Ganges, als man die Fressbudenfutzis irgendwie abwimmeln konnte, warteten schon die nächsten, die es gar nicht mehr abwarten konnten, dir ihre Schlangen um den Hals zu hängen. Um die ganze Szenerie zu beruhigen, nahmen wir erst mal wieder Abstand zum Ort des Geschehens und überlegten, was wir tun sollten. Jetzt dürft ihr euch gerne an meine Zeilen weiter oben erinnern, in denen ich Touristen, die sich abzocken lassen, als Trottel bezeichnete. Denn wir entschieden uns wieder auf den Markt zu gehen, uns den sympathischsten Schreihals rauszusuchen und dort etwas zu essen. Das gestaltete sich dann etwas schwierig mit der Essensauswahl. Denn hier ist alles auf großen Wagen aufgebaut und alles übereinander gestapelt. Fleisch, Fisch und Gemüse, alles auf Spießen. Nachdem wir versuchten, dem Chef am Grill zu verstehen zu geben, was wir wollten, ging der Spaß los. Nachdem die Getränke serviert wurden, kamen nach und nach immer mehr kleine Schüsseln auf den Tisch mit allerhand Essen, welches wir nicht bestellt hatten. Aber in so kleinen Mengen, dass wir dachten, dass es als eine Art Vorspeise serviert würde. Spätestens nach der dritten Schüssel hätten wir misstrauisch werden müssen. Doch stattdessen schaufelten wir uns eine Schüssel nach der anderen in unseren Magen. Bis am Ende der komplette Tisch voll war. Versteht mich nicht falsch, das Essen war super lecker und ich glaube, ich bin noch nie so satt gewesen, nachdem ich irgendwo außerhalb gegessen hab. Und dann kam die Rechnung. 490 Dirham, knapp 45 Euro also. Doof, dass uns nun auffiel, was gerade passiert war. Ich meine, 45 Euro für zwei Personen sind im Prinzip völlig in Ordnung. Allerdings empfand ich die Umstände alles andere als in Ordnung. Am Ende bezahlten wir brav, denn wir waren ja schließlich auch so doof und hatten alles aufgegessen. Ich sag ja, die Touridioten halt. Ich zähle mich nun mal auch dazu. Darauf gabs dann vor der Nachtruhe noch ein Bier auf der Dachterrasse des heimischen Riads.

 

 

Die darauffolgenden Tage passierte dann nicht mehr viel Erwähnenswertes. Außer einer Begegnung mit dem Restaurantbesitzer, bei dem wir am Tag unser Ankunft unser Abendessen zu uns nahmen. Das war ich euch ja noch schuldig. Der uns ja stolz erzählte, Fan von Borussia Dortmund zu sein. Und Bayern geht gar nicht. Als wir dann am letzten Tag noch einmal bei ihm etwas essen wollten, empfing uns der freche Strolch doch tatsächlich im Bayerntrikot. Er erinnerte sich dummerweise sogar noch an uns und erzählte uns dann ganz wehmütig, das Trikot habe er von einem Freund aus Deutschland geschickt bekommen. Klingt plausibel. Natürlich schickt dir dein Freund aus Deutschland ein Trikot vom FC Bayern, das aussieht wie von einem Neandertaler zusammengeflickt. So ist das hier nunmal. Wir konnten damit leben. Vom Essen an dem Abend hatte ich auf jeden Fall auch die nächsten Tage in Deutschland noch was. Weitere Details spar ich mir an dieser Stelle. Und das wars auch schon. Ziemlich chaotisch, ziemlich unentspannt aber am Ende wieder einmal ziemlich lehrreich ging dieser Trip zu Ende, denn am Tag drauf ging es schon mit Ryanair nach Weeze zurück. Bis nächstes Mal, Marrakesch!