Split

Den Trip im Oktober zu organisieren stellte sich als schwieriger heraus als letztlich nötig war. Weil ich persönlich zu geizig war 300 Flocken für einen Flug nach Tel Aviv zu bezahlen, wenn ich diesen im folgenden Frühjahr für nicht mal die Hälfte haben kann, wurde die Auswahl mit der Zeit immer kleiner. Anfangs zu fünft, zwischenzeitlich zu dritt und am Ende dann wieder zu fünft kurzfristig bezahlbare Flüge zu finden war gar nicht so einfach. Nachdem wir dann noch Skopje als mögliches Ziel über Bord warfen einigten wir uns auf Split. Nach etwas rumgespiele mit dem skyscanner buchten wir letztlich Direktflüge bei Eurowings und Easyjet ab Hamburg und Retour für 120€. Gibts sicherlich günstiger, war mir aber dann auch egal. Als alle Flüge gebucht waren und wir uns auf das "Apartmen Boki" als Unterkunft einigten konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Weil am Wochenende zuvor noch der Kramermarkt in Oldenburg zuende ging, kam der Urlaub an der Adriaküste mehr als gelegen um sich von den vorangegangenen Exzessen zu erholen. Dummerweise kamen  dann schon die nächsten Komplikationen auf uns zu. Weil Sturm "Herwart" über Norddeutschland fegte und große Teile des Schienenverkehrs lahmlegte mussten wir uns nun kurzfristig eine Alternative suchen wie wir am frühen morgen in Richtug Waterkant gelangen konnten. Da wir wohl nicht die Einzigen mit diesem Problem waren waren auch die Flixbusse schon ausgebucht. Ebenso war über Mitfahrgelegenheiten nichts zu machen. Zumindest nicht für gleich 5 Personen. Also blieb uns nichts anderes übrig als uns um kurz vor 6 am Bahnhof zu treffen und zu versuchen über den Schienenersatzverkehr nach Hamburg zu gelangen. Dies klappte eigentlich auch ganz gut, der Bus nach Bremen war nichtmal ganz voll. Dauerte zwar ewig, aber immerhin näherten wir uns dem Ziel. Leider verließ uns dieses Glück dann ab Bremen. Viel zu wenige Busse für viel zu viele Pendler. Da es hieß, dass ab Rotenburg der Metronom wieder fährt kam kurz die Idee auf, die Strecke bis Rotenburg mit dem Taxi zu überwinden. Dummerweise entschieden wir uns dann die sichere Variante mit dem Mietwagen zu wählen. Gut, dass wir zuvor auf das Frustbier auf den Urlaub aus Zeitgründen verzichten mussten. Dumm war die Entscheidung mit dem Mietwagen, weil wir so kurzfristig bei Sixt 250€ (!!!) lassen durften. Die Laune war zu dem Zeitpunkt aber eh schon im Keller, es hätte also eh nicht schlimmer werden können. Immerhin bekamen wir dafür einen schicken, neuen Golf Plus, Während der Fahrt wurde die Laune dann wieder besser und da wir plötzlich mehr als pünktlich unterwegs waren machte uns auch der kurze Stau auf der Ziellinie zu Hamburg nichts mehr aus. So haben wir mit unserem Partygolf wahrscheinlich dem einen oder anderen Trucker ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Oder auch nicht, war uns dann auch egal. Is ja schließlich unser Urlaub. Pünktlich um kurz nach 10 waren wir dann am Flughafen und hatten jede Menge Zeit bis zum Abflug um kurz nach 12. Natürlich ob der unnötig hohen kosten mit einem faden Beigeschmack aber wir habens verkraftet. Pünktlich um 12:10 hob der von Air Berlin (RIP) durchgeführte Flug in Richtung Balkanmetropole ab. Der Flug war zu unserer Freude nur etwa zur Hälfte besetzt, so dass wir alle jede Menge Platz hatten und der Eine oder Andere noch etwas Schlaf nachholen konnte. 

Nach Ankunft und zügiger Passkontrolle bereiteten uns dann die anscheinend völlig überbesetzte Taximafia den gebührenden Empfang. Jede Menge genervt schauender, junger Männer die einen auch nach dem fünften Mal "No!" nicht in ruhe ließen. Deshalb fix die Geldbörse mit dem einheimischen Kuna gefüllt (1 Euro = 7,65 Kuna) und dann schnell verschwunden aus der bemerkenswert kleinen Flughafenlobby.  Nach ein bisschen latscherei haben wir dann auch den passenden Bus gefunden und sind fast bis an die Promenade durchgefahren. Das eingangs erwähnte Apartment "Apartmen Boki" welches wir für unseren Aufenthalt auserkoren hatten war nämlich in unmittelbarer Nähe zur Promenade. Ungefähr 5 Minuten läuft man von dort aus runter ans Wasser. Am Apartment empfing uns dann auch unser "Vermieter" Alen und überreichte uns die Schlüssel bevor er uns dann das Apartment zeigte. Wirklich eine Top Unterkunft, super eingerichtet, sehr sauber und alles was man braucht ist vorhanden. Von Biergläsern über Zusatzdecken und Kissen bis zum Willkommensschnaps war alles da. Apropos Willkommensschnaps. Den überreichte uns Alen persönlich. Angeblich ein selbst gebrannter Kirschschnaps. Wurde natürlich direkt geköpft. Unfassbar süß das Zeug und schmeckt dafür kaum nach Alkohol. Da bevorzugt der durchschnittliche Norddeutsche doch eher ne kühle Pilsette. Erstmal die Kleidung an die Temperaturen angepasst gings dann auch schon wieder raus aus dem Apartment und runter Richtung Promenade. Auf dem Weg an dem einen oder anderen zwielichtigen Lokal vorbeigekommen nutzten wir die Gelegenheit uns mal den Bauch voll zu schlagen. Das taten wir dann wie es sich gehört bei der nächstbesten Pizzeria. Allerhand kroatische Köstlichkeiten sollte es ja die Woche über eh noch geben. Anschließend schlenderten wir dann die schöne Hafenpromenade lang und nutzten die schon tiefstehende Sonne für einige Fotos. Hier schon auffallend war der üble Geruch von faulem Ei der penetrant über die Promenade zog, was sich auch an den Folgetagen nicht ändern sollte. An ein längeren Aufenthalt war hier nicht zu denken. Danach teilten wir uns auf, während der eine Teil schon zurück Richtung Apartment ging schlenderte ich mit dem anderen Teil bei den ersten Kroatischen "Pan" Bieren noch durch die labyrintischen Gassen der Altstadt bevor es auch für uns ins Bett ging.

Weil wir am Vorabend zu faul waren einkaufen zu gehen, begann der nächste Tag gegen Mittag mit der Suche nach etwas Nahrung. Bei strahlendem Sonnenschein zog es uns erstmal durch die kleinen Gassen die an unsere Unterkunft angrenzten. Kurzentschlossen ob des Ambientes angetan kehrten wir auf der Terrasse eines Restaurants ein. Dort gab es dann standesgemäß eine große Portion Cevapcici für alle. Gut gesättigt, kurz sacken lassen und dann gings auch schon weiter. Erstmal sollte der Weg zu einem großen Einkaufszentrum führen. Wer schon mal in Split war und sich etwas für Fußball interessiert, der kennt die vielen beeindruckenden Graffitis die fast schon Gemälde sind des größten Vereins der Stadt Hajduk. Wirklich beeindruckend wie sauber gemalt und wie viele dieser Graffitis das Stadtbild prägen. Auf dem Weg zum kamen wir dann noch am Stadion des kleinen Lokalrivalen von Hajduk vorbei. Im kleinen Stadion Park mladezi trägt der drittligist RNK Split seine Heimspiele aus. Das angepeilte Einkaufszentrum lag direkt dahinter. Das Einkaufszentrum, genau wie die Gegend drumrum war nichts besonderes. Einzig die Aussicht auf die umliegenden Berge vom Dach aus war ein kleines Highlight. Auf dem Rückweg kamen wir zufällig an einem Lidl vorbei und nutzten die Gelegenheit uns mit Nudeln, Bier, Spirituosen und was man sonst noch so zum überleben braucht ein zu decken. Nach einer kurzen Pause im Apartment gings dann durch die kleinen Gassen zum St.Domnius Dom. Für umgerechnet 3 Euro konnte man den Turm, der das Bild der Altstadt prägt besteigen. Nichts für Leute mit Höhenangst, ist die Stahltreppe nach oben doch alles andere als vertrauenswürdig. Nützt aber ja alles nix, wenn man schon mal da war mussten wir auch da hoch. Wenn auch im Schneckentempo, da uns von oben jede Menge asiatische Touris entgegen kamen, denen man zwangsläufig Platz machen musste wenn man den Weg zurück nicht durch die Luft angehen möchte. Oben angekommen hoffte man, dass nicht noch mehr Leute nachkamen, denn auch oben wirkte die Stahlkonstruktion nicht wirklich gut durchdacht. Glücklicherweise waren die Mitstreiter allesamt ebenfalls asiatische Touristen, die ja bekanntlich nicht so viel wiegen. Hoffte ich zumindest. Der Ausblick vom Turm war natürlich wunderbar, man konnte an allen vier Enden die komplette Altstadt, die Promenade und die Berge überblicken. Nach der üblichen Fotosession gings dann etwas schneller wieder runter, wobei einem ebenso viele Asiaten entgegen kamen wie auf dem Weg nach oben. Diesmal mussten die netten Damen und Herren eben Platz machen. 

Wieder unten angekommen schlenderten wir noch etwas die Promenade entlang bis zum Strand. Am Horizont zogen jetzt schon dichte Wolken auf, was eine tolle Fotokulisse über dem Meereswasser ergab. Da die Wolken aber immer näher kamen machten wir uns auf den Weg in Richtung Apartment. Kurz nachdem wir Betten und Couch enterten und das erste Bier geöffnet war fing es draußen an zu Gewittern und zu gießen wie aus Eimern. Also wurde der späte Nachmittag damit verbracht die Alkohlvorräte zu vernichten. Nachdem sich das Gewitter dann verzogen hatte peilten wir noch ein paar Bars an, die wir auf dem Spaziergang zuvor entdeckten. Viel war hier mitten in der Woche nicht los. Einige Touristen, die die Zeit lieber damit verbrachten sich beim Essen und Shisha rauchen zu filmen als Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Nunja, man muss auch seine Prioritäten haben. Kurz danach ging es dann für uns wieder ins Apartment, zur verdienten Nachtruhe.

Der nächste Tag begann dann wie fast immer ziemlich unterschiedlich. Während die Einen es vorzogen den Morgen mit auskatern im Bett zu verbringen verschlug es Andere schon auf einen morgendlichen Spaziergang durch die Bergregionen in unmittelbarer Nähre unserer Unterkunft. Als dann wieder all beisammen waren und wir uns dazu entschieden uns, wie eigentlich immer, eine Cevapi Tasche zum Frühstück zu gönnen entschieden wir uns spontan den Tag am Strand zu verbringen. Dies bot sich an, da der Himmel wolkenfrei war und das Thermometer unerwartet 25 Grad anzeigte. Und so verging der Tag dann auch beim einen oder anderen Radler und etwas planschen wie im Flug. Abends war dann wieder Fast-Food-Aufnahme, Bier und die Abendlichen Gassen der schönen Altstadt begutachten angesagt.  

Der Donnerstag wurde dann nochmal etwas sportlich. Angeführt von unserem persönlichem Bergführer, der wie schon erwähnt die Zeit wo wir Anderen noch schliefen dafür genutzt hatte jede Aussichtsplattform der Stadt zu erkunden, ging es jetzt in die Berge des Park Suma Marjan. Gefühlt endlose Treppenstufen quälten wir unsere vom Alkohol und Tabak gezeichneten Kadaver hinauf zum großen Mast, der die Kroatische Fahne im Wind wehen ließ. So führten wir das ganze dann auch bis auf die andere Seite fort, auf mal mehr und mal weniger befestigten Wegen. Als es langsam bergab ging entdeckten wir einen kleinen Strand mit angelegener Bar. Eine kurze Abkühlung in Form eines Bades und eines kühlen Radlers war bei den Temperaturen die oben herrschten genau das Richtige. Das „Limun“ Bier von Ozujsko kann ich übrigens nur empfehlen. Das wahrscheinlich beste Radler welches ich je verköstigte. Auf dem Rückweg suchten wir dann den Supermarkt unseres Vertrauens auf und deckten uns für den Abend mit Spirituosen ein. Hier machte ich den folgen schweren Fehler und verwechselte den Kruskovac mit Slivovic. Während Kruskovas ein mild süßer Birnenlikör mit 25% Alkoholgehalt ist, ist Slivovic ein relativ starker Pflaumenbranntwein mit ca. 37,5% Alkoholgehalt. Das machte sich dann beim Probieren relativ schnell bemerkbar. Ziemlich eklig wenn man eigentlich etwas ganz Anderes erwartet. Ich nehme schon einmal vorweg, dass die Flasche noch mindestens zur Hälfte gefüllt im Kühlschrank stand, als wir den Apartmentschlüssel am Ende wieder übergaben. Am Abend fand in einem „Pub“, so nennte es sich zu mindestens dann das „Oktoberfest“ statt. Da mussten wir als Deutsche natürlich mal reinschauen. Zum ersten Mal, dass wir einen solchen Laden relativ gut gefüllt sahen. Das tolle Oktoberfest stellte sich hinter als ein paar verkleidete Bedienungen heraus. Ansonsten war weder die Musik noch sonst irgendwas dem Thema entsprechend. Das Bier allerdings schmeckte trotzdem gut. Und so vergingen dann die Stunden zwischen gut gekühltem Gerstensaft und betrunkenen Gesprächen mit Studenten aus aller Welt.  

Als die Sonne schon weit über die Stadt ragte und wir uns nach dem etwas verspäteten Katerfrühstück aus dem Apartment wagten stellte sich die Frage wie der letzte volle Tag in Split angegangen werden sollte. Weil die Sonne wieder mal erstaunlich stark brannte entschieden wir uns einen der am Vortag entdeckten Strände aufzusuchen. So ein Bad im kühlen Wasser des adriatischen Meeres kann gegen so einen Kater schon wahre Wunder bewirken. Anschließend trennten sich dann wieder die Wege. Während Ich mit meiner kleinen Reisegruppe noch ein Mal hoch ins Gebirge ging, um die zuvor entdeckten, in das Gebirge gebaute Kirchenbauten an zu schauen gingen die Anderen wieder in Richtung Altstadt. Wirklich beeindruckend in mitten einer Gebirgwand plötzlich eckige Fenster zu entdecken. Auch die Eingänge und Treppen machen echt was her. Erstaunlicherweise waren wir nahezu die Einzigen die sich bei strahlendem Sonnenschein nach oben verirrten. War uns natürlich Recht. Leider war keines der Gebäude geöffnet, das hätte ich durchaus gerne Mal von innen gesehen. Auf dem Rückweg wurde die Kehle dann ziemlich trocken, deshalb beeilten wir uns um zurück in Richtung Stadtgebiet zu kommen. Der letzte Abend wurde dann damit verbracht, die vielen leckeren Snacks die man in den engen Gassen bekommen kann zu probieren.

Am Tag des Abflugs konnten wir dann nochmal ordentlich ausschlafen. Da das Apartment für den Samstag nicht vermietet wurde, konnten wir unser Gepäck noch bis um 16 Uhr unterbringen. Also packten wir die Gelegenheit und holten uns noch ein wunderbares Cevapi-Brot. Das fehlt mir in Deutschland wirklich. Aber da freut man sich umso mehr auf den nächsten Besuch in Kroatien. Wegen der anliegenden Kreuzfahrtschiffe war die Altstadt heute ziemlich überlaufen von nervigen Touris. Da verbringt man ganze Tage in einem riesigen Hotel auf dem Meer und wenn man dann mal einen Tag in einer wirklich beeindruckenden Stadt verbringt, filmt man sich selbst beim Spaghetti essen. Menschen gibts. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen etwas außerhalb am Wasser und genossen noch die letzten Stunden in der Sonne. Übrigens war für den Abend ein Heimspiel für Hajduk angesetzt, wurde aber kurz vor unserer Ankunft auf Sonntag verschoben. Hätten wir auf Grund unseres Rückfluges um halb Acht aber eh verpasst. So machte es die Sache nicht so ärgerlich. Hätte mich schon gewurmt das Spiel nur um 1-2 Stunden zu verpassen. Man kann nicht Alles haben. Die Busfahrt in Richtung Flughafen bei Sonnenuntergang ergab dann noch einen wunderbaren Blick über die Hafenstadt, bevor es mit dem easyjet wieder nach Hamburg gehen sollte. Der 170 Kilometer lange Heimweg gestaltete sich dann Gott sei Dank deutlich unspektakulärer als der Hinweg. Mein erstes Mal Kroatien wird mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein.