Edinburgh & Glasgow

Als Ende 2017 auf der Arbeit mal wieder der Urlaubsplan gefragt war, stand für mich schnell fest, dass ich schon im Januar weg möchte. Dabei sollte es nicht all zu weit weg gehen und möglichst günstig sein. Außerdem hatte ich mal wieder Bock auf Fußball. Schnell entdeckte ich, dass Ende Januar mal wieder eine englische Woche in Europas Ligen angesagt war. Das passte mir natürlich super in den Plan, also legte ich meinen Urlaub in jene Woche. Dann musste nur noch entschieden werden, wo es hingehen sollte. Eigentlich hatte ich total Bock endlich mal in England, dem Mutterland des Fußballs, ein Stadion zu betreten. Allerdings waren die Ansetzungen in Schottland so perfekt, dass es gar keine Alternative gab. Macht aber ja auch nichts, nach England kommt man von Hamburg oder Bremen aus ja immer günstig. In dieser Woche sollte also am Mittwoch Celtic Glasgow zu Hause die Hearts of Midlothian aus Edinburgh empfangen und am Samstag baten die Glasgow Rangers die Hibs aus Edinburgh zum Tanz. Also sowohl beide großen Vereine aus Glasgow und ihre Stadien als auch beide großen Vereine aus Edinburgh. Als es dann im Dezember ernsthaft in die Planung ging und die Spiele terminiert wurden, wurde das Celtic Match auf den Dienstag verlegt, sodass ich am Ende sogar am Mittwoch noch zu Hibernian nach Edinburgh fahren konnte. Das heißt, ich hätte in einer Woche alle Stadien, die ich in Schottland noch gerne sehen würde, zusammen. Bei den Hearts im Tynecastle war ich ja 2015 schon und Aberdeen und Dundee könnten dann bei Gelegenheit noch nachgeholt werden. Das war also alles geklärt. Nun musste noch geschaut werden, wer mich begleiten möchte. Mein Bruder bot sich zwar an, musste aber mangels Zeit und privater Verpflichtungen passen. Alle anderen der üblichen Begleitungen hatten entweder keine Zeit oder kein Geld. Letztlich entschied sich dann einer der treuesten Begleitungen dazu, einfach mitzukommen. Wäre das also auch gelöst. Nun kam das nächste Problem: Die Flüge. Die Preise für die Flüge von Hamburg nach Edinburgh, die ich zu Beginn der Planung ins Visier nahm, stiegen leider rapide an, so musste etwas umgeplant werden. Direktflüge nach Glasgow gibt es hier in der Nähe leider keine bezahlbaren. Macht aber nix, Edinburgh ist ja auch schön. Nach etwas Umplanung buchte ich dann Flüge mit Easyjet von Hamburg nach Edinburgh für 60€ pro Nase. Acht Tage, also von Sonntag auf Montag. Etwas länger als gedacht, dafür günstiger geflogen. Ob sich das nun mit den zusätzlichen Hotelkosten wieder ausgleicht? Sei es drum. Die Tickets für das Spiel von Celtic und das Heimspiel der Hibs gegen Motherwell zu besorgen war kein Problem und dauerte kaum fünf Minuten. Die Rangers stellten sich noch etwas quer und öffneten den Verkauf erst Mitte Januar. Das stellte sich noch als Problem raus, denn das Spiel war ratzfatz ausverkauft. Aber dazu später noch mehr.

 

 

Ich erlaube mir dieses Mal auf ausführliche Berichte für jeden Tag zu verzichten, denn so viel Spannendes gibt es nun nicht. Jedem, der sich nicht sonderlich für Fußball interessiert, sei gesagt, dass dieser Bericht zu 95% aus Fußballgequatsche bestehen wird, was ja eigentlich aus der Einleitung schon hervorgeht. Trotzdem möchte ich auch noch einige allgemeine Worte zu Edinburgh und Glasgow verlieren. Aber fangen wir vorne an.  

Am Sonntag Nachmittag ging es also mit dem Easyjet aus der Hansestadt in die Hauptstadt Schottlands. In Edinburgh wehte eine ganz schön steife Brise, was dafür sorgte, dass ich wohl den wackligsten Landeanflug meines Lebens hatte. Kann ich auch gerne drauf verzichten in Zukunft. Aber ich habs ja überlebt. Weil meine Begleitung noch nie in Edinburgh war und die Stadt immer einen Besuch wert ist, quartierten wir uns bis Dienstag noch vor Ort ein. Im „Britannia Edinburgh Hotel“ fanden wir für 56 Pfund einen geeigneten Schlafplatz. Von hier aus sind es etwa 15 Minuten Fußmarsch in den Innenstadtbereich. Den ersten Abend verbrachten wir eigentlich nur mit dem Einchecken, der Nahrungsaufnahme und ersten Bierverkostungen. Am Montag war erstmal Frühstück im Tesco angesagt, bevor es dann auf den Calton Hill ging, auf dem sich wohl die bekanntesten Monumente der Stadt befinden. Auch heute war es noch ziemlich windig, dafür aber trocken und sogar etwas sonnig. Spontan ging es dann noch rüber auf den Arthur's Seat. 251 Meter streckt sich der Hausberg Edinburghs in die Höhe. Der Aufstieg war dann dank nass-matschigem Bodens und falschen Schuhwerks ein echt anstrengendes Unterfangen. Auf dem Weg zurück in die Stadt kamen wir dann noch am National Museum of Scotland vorbei. Hier war ich 2015 mit meinem Bruder schon drin. Da in Schottland der Eintritt zu allen Museen kostenlos ist, lohnt sich ein Besuch hier doppelt! Ich bin wirklich kein großer Fan von Museen, allerdings würde ich für das wirklich beeindruckende National Museum of Scotland sogar Eintritt zahlen. Wenn ihr also mal in Edinburgh sein solltet, nehmt euch die Zeit euch hier mal ein wenig um zu schauen. Die platt gelaufenen Füße trugen uns dann auch nur noch bis zum nächsten Tesco und dann wieder ins ungemütlichste Hotelzimmer aller Zeiten. Fragt mich nicht, was das Problem war, aber so schlecht hatte ich im Urlaub noch nie geschlafen, was komischerweise nicht nur mir so ging.  

Am Dienstagmorgen hieß es dann Locationwechsel. Mit dem Megabus ging es für schlappe 3,50 Pfund in das etwas mehr als 1 Stunde entfernte Glasgow, denn am Abend stand mit dem Heimspiel von Celtic gegen die Hearts of Edinburgh das erste Highlight der Tour an. Wenn man hier ankommt, merkt man direkt, dass in Glasgow deutlich mehr los ist als in Edinburgh. Glasgow ist ja mit 600.000 Einwohnern auch Schottlands größte Stadt. Hier wurde im „ibis budget Glasgow“, welches von der Innenstadt aus auf der anderen Seite der „Clyde“ liegt, genächtigt. Auch von hier sind es ungefähr 15-20 Minuten in die Innenstadt. Angekommen, eingecheckt, kurzer Powernap und das Frischmachen später ging es dann erstmal in die Innenstadt. Ehrlich gesagt gibt es hier nicht so viel zu bestaunen. Eine echt schicke Central Station und einige nette Bauten. Ansonsten eher ein Paradies für Shoppingsüchtige. Also Leute wie mich. Zumindest, wenn kein Fußball auf dem Programm steht. Als erstes verhafteten wir jeder eine große Pizza, bevor es dann in einen Pub ging. Ein bis zwei Guinnes später ging es dann ab in den Bus zum Celtic Park. Leider fing es auf der Busfahrt an zu regnen, was das ohnehin schon ungemütliche - weil kalt und windig - Wetter noch unangenehmer. Deshalb schnell ins weite Rund und schonmal die Plätze ausfindig gemacht und einige Fotos geschossen.  

Ich konnte mich sogar über ein nicht ganz ausverkauftes Stadion doppelt freuen. Zum einen waren immer noch mehr Zuschauer gekommen, als ich auf einen Dienstagabend erwartet hatte und zum anderen, weil neben uns zwei Plätze frei blieben, auf denen wir uns dann ausbreiten konnten. Trotzdem war das Stadion denke ich zu 98% voll. Einzig der Gästeblock war nur maximal zu ¾ ausgelastet, was wohl auch auf die Anstoßzeit unter der Woche zurückzuführen ist. Die Stimmung auf der Heimseite wurde koordiniert durch die Ultragruppe „Green Brigade“, die ihren Platz im rechten Eck im Rang unter uns hatte. Dort wurde auch durchgehend gesungen und Fähnchen geschwungen. Ab und zu stimmten auch Teile des restlichen Stadions in die Gesänge ein. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Jungs und Mädels im Ultraeck die Stimmung durchaus aufbessern. Allerdings verpassten sie es meiner Meinung nach öfter durch spielbezogeneren Support auch den Rest des Stadions nochmal etwas zu pushen. Da scheiden sich ja auch die Geister in der Ultrabewegung. Seis drum. Im Gästeblock war nur wenig Aktivität zu vernehmen. Einzig eine kleine Gruppe Halbstarker machte mit allerhand Gepöbel ab und zu auf sich aufmerksam. Sportlich wurde die Partie heute in zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten geteilt. Celtic ging früh in Führung, spielte sich anschließend in einen Rausch und führte zur Pause völlig verdient mit 3:0. In der zweiten Halbzeit flachte das Geschehen zunehmend ab und die Hausherren verpassten es mehrmals den Deckel drauf zu machen. Letztlich gelang es den Gästen aus der Hauptstadt noch einen Ehrentreffer zu erzielen. Was mich dann immer wieder wundert und echt ärgert, ist das frühe Abhauen einiger Zuschauer. Als die Nachspielzeit lief, das Spiel also noch im Gange war, waren schon mindestens ein Viertel der Plätze im Stadion leer. So etwas werde ich nie verstehen. Für uns hieß es nach Abpfiff wegen des Verkehrschaos ums Stadion zu Fuß durch den Regen zurück zum Hotel. Klitschnass aber zufrieden kamen wir hier an und machten es uns direkt in unseren warmen Betten breit. 

Am darauffolgenden Mittwochmorgen weckte uns Glasgow mit Schneeregen und eisigem Wind. Umso besser, dass um 10 Uhr schon der Megabus nach Edinburgh fuhr. Heute ging es nämlich noch einmal zurück, um das Heimspiel von Hibernian Edinburgh gegen den FC Motherwell zu besuchen. Glücklicherweise war hier das Wetter auch deutlich besser. Zwar wieder etwas windiger, dafür trocken und ungefähr fünf Grad wärmer. Die Zeit bis zum Kick off wurde im Pub mit Fish&Chips und Guinnes überbrückt, während wir auf BBC den letzten Tag der Wintertransferperiode, den sogenannten Deadline Day, verfolgten. Anschließend ging es zu Fuß an die Easter Road, der Heimat von den Hibs. Am Kiosk gegenüber noch ein Cider verhaftet und dann ging es auch schon ins Stadion. Ziemlich schmucker Kasten mit 4 Tribünen. Das Stadion war heute nicht ausverkauft, was wohl auch am Mittwochabendtermin lag. Auf der Heimseite sorgte ein kleiner Block auf der rechten Seite des Oberrangs ein wenig für Stimmung, auch wenn diese stark zu wünschen übrig ließ. Der Gästeblock war heute eher spärlich besucht und Stimmung sollte erst gar keine aufkommen. Das sorgte dann für eine relativ ruhige Atmosphäre, während der kalte Wind einem um die Ohren blies. Sportlich war das ganze etwas ausgeglichener als das Spiel vom Ligakrösus Celtic am Vortag. Hibernian ging zwar früh mit 2:0 in Führung, wurde danach aber immer schwächer, fing sich noch einen Gegentreffer und brachte am Ende den 2:1 Sieg mit Mühe über die Zeit. Alles relativ unspektakulär, hat aber trotzdem Spaß gemacht. Mit etwas Fastfood wurde der Magen dann noch gefüllt, bevor es mit dem megabus spät Abends wieder in Richtung Glasgow ging. Die Dinger fahren praktischerweise nahezu 24 Stunden täglich. Würde man sich hier auch manchmal wünschen.  

Die beiden Folgetage wurden dann mit Shopping, Sightseeing, Bier und Essen verbracht. Wie gesagt: Alles ganz entspannt und ohne große Highlights. Mir persönlich gefällt Edinburgh ja deutlich besser als Glasgow. Zwar ist das hier ein reinstes Paradies für Shoppingqueens wie mich, allerdings hat die Stadt dann auch irgendwo ihre Grenzen, was die Schönheit angeht. Aber darüber lässt sich nun mal auch streiten. Wohl gefühlt hab ich mich dennoch. Am Freitag schauten wir dann noch bei den Rangers am Stadion vorbei, um am Ticketoffice nach Karten zu fragen. Uns wurde leider nur eine letzte Karte angeboten, was uns natürlich nicht zufrieden stellte. Allerdings sollten wir doch morgen früh nochmal vorbeischauen, falls noch Karten zurückgingen. Deshalb stand ich am Samstagmorgen früh auf und machte mich auf den Spaziergang zum Ibrox Stadium. Unser Hotel lag glücklicherweise in Reichweite, das war also kein Problem. Ich war zwar pünktlich um 10 Uhr da, komischerweise schien der Laden aber schon eher geöffnet gewesen zu sein. Und so ergatterte der ältere Herr vor mir die letzten beiden zusammenhängenden Plätze, so dass mir mal wieder nur eine angeboten wurde. Eigentlich hätte ich die einfach genommen und zugesehen, irgendwo noch eine zweite zu erwerben, aber wir wollten das Spiel dann doch zusammen schauen. Also ging es erstmal wieder zurück zum Tesco vorm Hotel, um Frühstück zu besorgen. Nebenbei versuchte ich noch über eine Facebookgruppe an Tickets zu gelangen. Hierbei muss ich sagen, dass ich zwar an keine Tickets gekommen bin, aber öfter privat von Rangersfans angeschrieben worden bin, die mir Tipps gegeben hatten, wo wir denn vielleicht noch welche herbekommen würden. Das fand ich mehr als korrekt!

Etwa zwei Stunden vor Anpfiff schauten wir dann am Stadion vorbei, um irgendwie noch Karten zu bekommen. Nebenbei hatte ich noch das Heimspiel des FC Queens Park im Hampden Park auf dem Schirm. Allerdings braucht man eine Weile, um dort hinzukommen und wir entschieden uns dann am Stadion zu bleiben und zu hoffen, doch noch an Karten zu bekommen. Das war aber leider unmöglich, weil überall Menschen rumliefen, die Karten suchten, aber nirgendwo jemand, der welche loswerden wollte. Also gingen wir circa zehn Minuten vor Anpfiff wieder zurück und entdeckten die Union Bar, die das Spiel über Livestream übertrug. Gut gefüllt war der Laden - und Bier gab es auch noch. Das war immerhin der Vorteil zum Stadion. Und so ging der Samstag sogar relativ schnell rum. Draußen wurde es dann auch noch ziemlich kalt, sodass der Promillestand die Gradzahl irgendwann überholte. Deshalb lieber nicht zu viele Details zum Abend.

 

 

Viel mehr passierte auch gar nicht. Sonntag nochmal ein wenig die Beine vertreten gegen den Kater und am Montag hob der Easyjet nach Hamburg City auch schon wieder ab.