Top 5 - besuchte Stadien, in denen irgendwann nach dem 2. Weltkrieg mal in der höchsten Spielklasse gekickt wurde, heute aber nicht mehr

Ein Gastbeitrag von Matthias, Calcio Culinaria

Okay, der Titel ist etwas holprig, aber gerade unterhalb des Profibereichs gibt es halt auch einige „Stadion-Perlen“, die viel Geschichte und Geschichten zu erzählen haben. Bei einer Top 5 fallen natürlich viele Stadien raus, die es eigentlich verdient hätten, in der Liste aufzutauchen. Stellvertretend sei einfach mal das Südweststadion in Ludwigshafen genannt, das Stadion Erbsenberg in Kaiserslautern oder auch die von mir geliebte Adolf-Jäger-Kampfbahn von Altona 93. Insgesamt habe ich probiert, jede Himmelsrichtung zu würdigen. In diesem Sinne:


Platz 5:
Stadion am Schloss Stünkede, Westfalia Herne
(Oberliga West 1954 bis 1963)
Es gibt wohl wenige Gegenden in Deutschland, in denen der Fußball so verwurzelt ist wie im Ruhrpott. Echte Fußballromantiker interessieren sich allerdings weniger für Borussia Dortmund oder Schalke, sondern für die Vereine, deren große Zeit schon etwas her ist. Westfalia Herne gehört sicherlich dazu und stand Ewigkeiten auf meiner persönlichen To-Do-Liste. Am Eingang lautete die Begrüßung, nachdem einen der norddeutsche Dialekt verraten hatte, auch ganz passend: „Wollt ihr euch mal ein richtig schönes Stadion anschauen?" Antwort war natürlich: „Ja!“ Neben der 1950 eröffneten Haupttribüne mit den blauen Holzbänken sind es vor allem die weiten Stehränge, die das Auge erfreuen. Abgerundet wird das „Stadionerlebnis“ durch fachkundiges Gepöbel.


Platz 4:
Stadion am Quenz, BSG Stahl Brandenburg
(DDR-Oberliga 1984-1990, NOFV-Oberliga 1990/91)
In diesem Stadion gab es neben Erstliga-Fußball einst auch Europapokal und ein Länderspiel zu sehen. Bei meinem Besuch in Juni 2015 bekam ich schon bei der Anfahrt eine Gänsehaut, als ich die wunderschönen Flutlichtmasten erblickte. Ein Frevel, dass diese zwei Jahre später abgebaut und verschrottet wurden, denn bis dahin versprühte die gesamte Anlage einen perfekten „Ost-Charme“.


Platz 3:
Stadion Grüne Au, SpVgg Bayern Hof
(Oberliga Süd 1959 bis 1963)
Obwohl der Verein Bayern Hof heißt, liegt Hof natürlich in Franken – sehr verwirrend für einen Norddeutschen. Trotzdem ist der Ausflug in den Nordost-Zipfel des Freistaats definitiv sehr lohnenswert. Denn die traditionsreiche Spielstätte „Grüne Au“, die heute 8.100 Zuschauern Platz bietet, ist seit 1913 der Platz des FC Bayern Hof (bzw. dessen Vorgängern) und nach und nach gewachsen. Sprich jede Seite sieht anders aus, was dem Bau einen unverwechselbaren Charakter gibt. Hingucker der Anlage ist die „Neue Tribüne“, in deren Inneren sich die Stadiongaststätte befindet, die „Kerng“. Das fränkische Wort für Kirche erhielt sie von ihren hohen, schrägen Decken, welche an die eines Gotteshauses erinnern. Und Fußball ist ja auch immer ein bisschen Religion. Auch im Süden der Republik.


Platz 2:
Ellenfeldstadion, Borussia Neunkirchen
(Bundesliga 1964-1966, 1967/68)
Meiner Meinung nach eines der schönsten Stadien in Deutschland; das Ellenfeldstadion. Zum Aufstieg in die Bundesliga wurde das 1912 eröffnete Stadion grundlegend umgebaut. In der Aufstiegsrunde hatten sich die Saarländer gegen Bayern München, St. Pauli und Tasmania Berlin durchgesetzt. Als kleinste Bundesligastadt spielte man eine überragende Premierensaison, ehe die Borussia in der zweiten Saison im Oberhaus wieder aus selbigem abstieg. Ein Jahr später gelang zwar noch einmal ein Comeback – danach ging es aber Stück für Stück abwärts. Einerseits ist das Stadion dadurch noch einem seinem wunderschönen „old-school“ Zustand, andererseits nagt der Zahn der Zeit unübersehbar an einigen Ecken des Baus.


Platz 1:
Stadion am Lehmwohld, Itzehoer SV
(Oberliga Nord 1950/51)
Die traurigste Geschichte auf Platz eins. Wenig bekannt ist, dass das kleine Städtchen Itzehoe (ganz nebenbei auch mein Geburtsort) mal für eine Saison „erstklassig“ war. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem ISV mithilfe vieler Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten der Sprung in die Oberliga Nord. Auch wenn sich das scherzhaft „VfB Königsberg“ genannte Team nur eine Saison in der höchsten Spielklasse halten konnte, gehörten die Itzehoer immer zum „Stammpersonal“ in den höchsten norddeutschen Spielklassen. Allerdings hatte der Verein auch immer mit klammen Kassen zu kämpfen, machte mehrfach durch Zahlungsunfähigkeit Schlagzeilen. Inzwischen kickt der Nach-Nach-Nachfolger als ISV 2.0 in der Kreisklasse C, der untersten Liga.