Top 5 - ReiseTransfers

Ein Gastbeitrag von Michael, Groundfever

Nachfolgend eine Top 5 der besten Transfers, die ich während meiner Reisen erlebt habe. Dabei will ich zwischen den fünf Anekdoten gar keine Wertung vornehmen, denn vergleichbar sind diese kaum. Außerdem war jedes Erlebnis für sich einmalig und besonders und steht nur stellvertretend für viele andere, die hier keinen Platz mehr finden.


Eine der schönsten Etappen war sicherlich die Zugfahrt durch Vietnam im Jahre 2012, die ich mit meinem guten Kumpel Mattes erlebte, der mit Fußball eigentlich wenig am Hut hat, sich aber mit mir auf die Reise durch Thailand, Cambodia und Vietnam begab, die aber eben auch nicht nur aus Fußball bestand. Es ist bis heute eine der Reisen, an die ich am liebsten zurückdenke. Ab Saigon, oder heute offiziell Ho-Chi-Minh-Stadt, vietnamesisch Thanh pho Ho Chi Minh, ging es bis nach Hue, der alten Kaiserstadt der Nguyen-Dynastie, das letzte kaiserliche Regime, welches durch die Kolonialherrschaft der Franzosen seine Macht verlor. Reunification-Express, Wiedervereinigungs-Express, werden die Züge genannt, welche diese Strecke bedienen, deren gesamte Länge - die Verbindung führt bis in die Hauptstadt Hanoi, 1.726 Kilometer beträgt. Es gibt jeden Tag etwa zehn Abfahrten. Ich startete im Liege-Abteil spät abends von Saigon, sah dementsprechend auf den ersten hunderten Kilometern nicht viel, aber nachdem die Sonne aufgegangen war, wurde ich dafür entschädigt. Malerische Berg- und Küstenlandschaften wechselten sich ab und die Strecke führte durch wilde Wälder und durch idyllische Reisfelder. Der Zug hielt in großen Städten und an kleinen Haltepunkten. Überall veräußerten mobile Händler ihre Ware an die Zugpassagiere. Nach 19 Stunden traf der Zug am späten Nachmittag in Hue ein und ich empfand die lange Fahrt in keiner Sekunde als langweilig. Exakt 24 Stunden später bestiegen wir den Wiedervereinigungs-Express erneut, um die zweite Etappe bis Hanoi zu absolvieren, die allerdings überwiegend in der Dunkelheit stattfand. Um halb fünf in der Frühe am nächsten Morgen trafen wir in der Hauptstadt ein.


Meine werte Mutter wird ja nicht müde, die Hände über dem Kopf zusammen zu schlagen und mich prophylaktisch schon mal für tot zu erklären, wenn ich von meinen Reiseplänen berichte. Nie kam ich Ihrer Prophezeiung so nahe wie auf dem Weg von Chisinau, der Hauptstadt Moldawiens, nach Iasi in Rumänien im Spätsommer des Jahres 2011. Grundsätzlich begann dieser Weg bereits in Tiraspol in Transnistrien, Hauptstadt dieses abtrünnigen, Russland nahestehenden Teil Moldawiens, der aber von keinem souveränen Staat anerkannt wird. Mit Daniel, mit dem ich schon einige 'Hopping-Schlachten' geschlagen habe, hatte ich das Abendspiel des FC Sheriff besucht. Mit einem Taxi-Fahrer hatten wir den Transfer nach Chisinau unmittelbar nach dem Spiel vereinbart, da am dortigen Busbahnhof unser Gepäck lagerte und wir dieses nur bis 22:00 Uhr abholen konnten. Es fing schon mal damit an, dass wir den Mercedes Vito dieses Kanisterkopps bestiegen und dieser vom Stadion, das unmittelbar am Stadtrand an der Straße nach Chisinau liegt, in die falsche Richtung abbog. Die sprachliche Barriere, er sprach ausschließlich Russisch, verhinderte eine nachhaltige Kommunikation. Wir begriffen, dass er uns beruhigen wollte, aber so richtig glaubhaft gelang es ihm nicht. Mit einem Affenzahn rasten wir durch Tiraspol und bogen in eine unbeleuchtete Siedlung mit hohen Plattenbauten ab. Wir machten uns auf das Übelste gefasst und verständigten uns darauf, wachsam zu sein und uns gegebenenfalls verteidigen zu müssen. Mit aufgeblendetem Fernlicht blieben wir letztlich vor einem Hauseingang stehen und unser Chauffeur tätigte einen Anruf. Entgegen unserer Befürchtung kamen aber keine bewaffneten Gang-Mitglieder aus dem Eingang gerannt, sondern eine blonde, bis unter das Dach aufgedonnerte osteuropäische Schönheit mit Hacken so hoch wie der Kölner Dom. Wir konnten uns eines erleichterten Schmunzelns nicht erwehren. Offenbar wollte Igor die Tour nach Chisinau nutzen, um die Dame seiner Bewunderung groß auszuführen. Weniger schnell, aber keinesfalls langsam ging es dann nach Chisinau. Zwischen dem sogenannten De-facto-Regime Transnistrien und dem übrigen Landesteil existiert sogar eine Grenze, die aber natürlich nur auf transnistrischer Seite kontrolliert wird, denn die Moldawische Regierung erkennt die Grenze ja nicht an. Wir näherten uns der Grenze über eine Nebenstraße und unser Fahrer hielt kurz, nickte während er mit dem Grenzer sprach zu uns herüber, sagte irgendwas von "Nemetskiy" und "Futbol" und weiter ging's. Man kannte sich offenbar. Kurz vor knapp trafen wir am Busbahnhof ein und nahmen unser Gepäck entgegen. So recht wussten wir noch nicht, wie wir nach Rumänien kommen. Wir wollten Richtung Siebenbürgen, aber die einzige Nachtverbindung war ein Bus nach Bukarest, der komplett voll war. Wir versuchten trotzdem mit Nachdruck rein zu kommen, wurden aber genauso unsanft wieder herausgebeten. Also wendeten wir uns mal der Taxi-Mafia zu. Problematisch war, dass Moldawier ohne Visum nicht in die EU einreisen dürfen. Wir brachten aber dennoch zähe Verhandlungen mit einem Fahrer zu Ende und einigten uns auf einen Tarif von 40 Euro, wie ich mich zu erinnern glaube, für die 160 Kilometer nach Iasi, der ersten Stadt hinter der Grenze in westlicher Richtung. Nach wenigen Kilometern Fahrt hielt unser Chauffeur an einer Tankstelle und verlangte auch gleich den gesamten Fahrpreis. Wir gaben ihm aber in weiser Voraussicht vorerst nur die Hälfte. So ging es durch die Nacht in Richtung Ungheni und schließlich Sculeni, wo der Grenzübergang ist. Und auf dem Weg nach Ungheni passierte es. Wir waren hinten im Fond des Dacia etwas weg gedöst und plötzlich rumpelte alles und lautes Knirschen war zu hören. Dann machte das Fahrzeug einen abrupten Schlenker nach links und wir hatten wieder Asphalt unter den Rädern. Der Fahrer war offensichtlich selber eingepennt und hatte die Mühle gekonnt in den unbefestigten Streifen neben der Straße manövriert. Das hätte anders ausgehen können. So oder so ähnlich wird es bei der ganzen Reiserei wahrscheinlich mal enden. Der Schreck saß nun allen gehörig in den Gliedern und keiner pennte mehr ein bis zu Grenze. Dort endete die Reise mitten in der Nacht vorerst. Der Schlagbaum blieb nämlich geschlossen, da der Taxi-Fahrer kein EU-Visum besaß. Ergo bekam er auch den Rest des Fahrpreises nicht. Zu Fuß durfte man die Grenze nicht queren und so standen wir zu viert in der Dunkelheit - ein junger Grenzer, zwei übermüdete Fußballreisende und ein quengelnder Taxi-Mokel, der alle paar Minuten um seinen restlichen Lohn bettelte. Die Gruppe löste sich auf, als irgendwann ein Fahrzeug vorbeikam und der Fahrer durch den Grenzer verpflichtet wurde, uns mit rüber zu nehmen. Die Situation nutzten wir und vereinbarten mit dem Mann, der nun das restliche Geld erhielt, dass der Taxi-Fahrer für die fehlende Etappe bekommen hätte, uns bis nach Iasi zu befördern. Dort kamen wir am frühen Morgen an und überbrückten aufgrund der Nachtkälte noch zwei Stunden in einem kleinen Kiosk, bevor wir den Bus gen Targu Mures bestiegen. Quer durch die Karpaten-Ausläufer ging die Fahrt und mit einem Umstieg in Targu Mures erreichten wir Medias, wo wir unser Etappenziel pünktlich erreichten und am Abend ein Ligaspiel von Gaz Metan sahen.


Im Spätsommer des Jahres 2014 war ich mit Nobbi und Tobias in Zentralasien unterwegs. Die Reise begann in Usbekistan, führte uns nach Tadschikistan, zurück nach Usbekistan und schließlich nach Kasachstan. Wir waren aus Tashkent kommend nach Shymkent in Kasachstan ausgereist und von dort mit der Marshrutka weiter gefahren nach Taraz, eine Stadt im Süden des Landes, nahe der Grenze zu Kirgisistan. Der Zwischenstopp dort war dem Umstand geschuldet, dass wir von dort noch einen Abstecher nach Qaratau machen konnten, einer Stadt im Nichts, wo ein Zweitliga-Spiel über die Bühne ging. Von Taraz nahmen wir dann die Nachtzug-Verbindung nach Almaty. Das sind nur 500 Kilometer, aber bei den Fernzügen in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion regiert die Langsamkeit und die Fahrzeit bis Almaty betrug zehn Stunden. Der Zug kam aus Moskau, hatte also schon gute 3500 Kilometer zurückgelegt. Wahnsinn, was da für Strecken bewältigt werden. Die gesamte Fahrtdauer dieses Zuges von Moskau bis Almaty beträgt fast fünf Tage. Die Züge sind immer voll und vor allem die Abteile früh ausgebaucht. Wir hatten daher nur noch Karten für die Platskartny-Waggons erhalten. Das sind Liegewagen mit offenen Nischen. Privatsphäre also nicht gegeben. Es gab auch nur noch zwei Plätze zusammenhängend und ich hatte Nobbi und Tobi diese überlassen. Ich nistete mich also in einer Vierer-Nische auf einer oberen Liege ein. Auf der anderen Seite oben lag ein junger Typ und gab sich seinen Gedanken hin. Die unteren Liegen waren von zwei älteren Damen belegt, die sich erfreut über den neuen, westlich aussehenden Mitfahrer zeigten und wissen wollten woher er stammt. Als ich meine Herkunft preisgegeben hatte, kramten sie erst mal die wenigen Deutsch-Kenntnisse hervor. Es waren wirklich nette und freundliche Menschen und das Mütterchen unter mir, wollte mir beim Verstauen meines kleinen Rucksacks helfen und hob ihre Liege an, unter der sich Stauraum für das Gepäck befand. Ich blickte auf ein großes unförmiges Alufolien-Paket und eine Sekunde später hatte ich beißenden Räucher-Geruch in der Nase. Mütterchen Russland strahlte mich begeistert an, zeigte auf den silbernen Prügel und sagte nur ein Wort: „Fisch“. Ähm, ja Danke, dann nehm ich mein Gepäck mit auf die Liege. Die Russen reisen in der Nacht sehr diszipliniert. Sobald der Schaffner das Licht dimmt, kehrt Ruhe ein. Ich habe Zweifel, ob das in Westeuropa auch so gut funktionieren würde. Ich stopfte mir auf meiner Liege die Knöppe ins Ohr, genoss das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, dass mich in solchen Situationen immer befällt und schlief bei leiser Musik und dem rhythmischen Rumpeln des Zuges über die Gleisnähte ein. Um 7:30 Uhr fuhr der Zug am nächsten Morgen an seiner Endstation Almaty pünktlich auf die Minute in den Bahnhof ein.


Im November 2015 reiste ich mit meiner Herzdame und meinem Groß-Cousin durch Tanzania. Es war unser regulärer Jahresurlaub, aber auch dabei darf König Fußball natürlich nicht fehlen. Von Daressalam waren wir mit dem Überlandbus nach Tang im Norden Tanzanias gereist und sahen dort ein Liga-Spiel. Am nächsten Morgen ging die Reise weiter zum Relaxen im Beach Crab Resort am traumhaften, Ushongo Beach gelegen. Dafür musste der Local Bus herhalten. Es sind nur 65 Kilometer, aber auch in Ostafrika regiert die Langsamkeit und so dauert die Fahrt bis nach Mwera, wo wir aussteigen wollten knappe drei Stunden. Zunächst weiß ja kein Mensch, wann die Abfahrt stattfindet, denn der Fahrplan sagt, wenn der Bus voll ist, nein, wenn der Bus überfüllt ist, geht es los. Leider war ein kleinerer 9-Sitzer soeben erst gestartet und nun wartete ein größerer Bus auf Passagiere. Bis dieser endgültig voll war sollte es dauern. Etwa zwei Stunden mussten wir uns gedulden und ein Einheimischer, der sich für besonders schlau hielt, meinte, uns die ganze Zeit volllabern zu müssen und hielt sich mit seinem „Don’t worry…“ dran. Als der Bus so vollgepackt war, wie irgend möglich, ging es los, nachdem der Ticket-Mokel „Just ten minutes“ gerufen hatte. Das allerdings drei Mal immer wieder von Neuem. Der Gepäckraum war zum Bersten beladen, Kisten, Säcke, Koffer. Alles was leicht war, wurde auf das Dach geschnürt Die Sitze waren überwiegend doppelt belegt und der Gang war ebenfalls voll mit Leuten und teilweise auch deren Federvieh. Die Straße war nur eine rote Sandpiste mit gewaltiger Oberflächenkrümmung. Da die Mitte sehr ausgewaschen war, fuhr der Fahrer meist weit rechts oder links, so dass die alte Möhre teils eine Krängung hatte, wie ein Segelschiff hart am Wind. Während derartige Erlebnisse auf mich nahezu berauschende Wirkung haben, äußerte mein Mädel Befürchtungen, dass wir bald auf der Seite liegen. Es war aber vollkommen klar, dass der Mann am Steuer, der sein Leben lang nichts anderes machte, als diese Strecke erst in die eine und dann in die andere Richtung zu fahren, genau wusste, was er tat. Das zeigte sich auch in den entspannten Minen der Einheimischen, die sich unbekümmert unterhielten und lachten. Oder war es Galgenhumor? Der Schwerpunkt des Fahrzeugs lag durch den übervollen Laderaum aber so tief, dass ein Umkippen beinahe unmöglich war. Rechts und links der Straße öffnete sich ein Panorama, wie man es sich in Afrika vorstellt. Im Städtchen Pangani mussten wir mit einer altersschwachen Fähre den gleichnamigen Fluss queren. Monate zuvor war dort mal ein Bus von der Fähre gerutscht, was lediglich Sachschaden bedeutete, da die Passagiere aussteigen müssen. Alles andere wäre schlecht, da sich Krokodile im Gewässer aufhalten. Auf der Fähre kamen wir mit einem in seiner Art europäisch wirkenden Afrikaner ins Gespräch. Er wirkte irgendwie anders. Ruhiger und organisierter. Dieser riet uns dann, schon auf der anderen Seite einen Anschluss-Transfer zu unserem Strand-Resort in Anspruch zu nehmen, statt von Mwera, wo sich der ganze Bus leert und das schwieriger werden könnte. Nach dem Anlegen war die Busfahrt also für uns beendet und wir stiegen um auf Moto-Taxis. Die letzten Kilometer fuhren wir also auf den Sozius der Mopeds zu unserm Strand-Resort. Was nun folgte erinnerte mich an diese kitschigen Afrika-Schnulzen aus deutscher Produktion. Eine gute halbe Stunde ging es weiter über staubig-rote Sandpisten. Palmen und Büsche säumten den Weg, einfache kleine Dörfer und Hütten wechselten sich ab. Ab und an öffnete sich der Blick auf Nutzflächen und kleine Ebenen. Eine Ziegenherde passierte ohne Furcht den Weg und ließ sich nur mühsam vertreiben. Kleine rabenschwarze Kinder in traditionellen Gewändern kamen immer wieder zur Straße gelaufen und winkten uns lachend zu. Dazu schmiss mein Fahrer noch seine kleine Moto-Stereoanlage mit typischer Musik an und ich hatte die perfekte Untermalung. Es war der perfekte Start in einige ruhige Tage an der Küste Tanzanias.


Während der bereits angeführten Asien-Reise überquerten wir die Grenze zwischen Cambodia und Vietnam auf dem Mekong, dem mächtigen über 4000 Kilometer langen Strom, der Südostasien von Nord nach Süd durchschneidet und sich in einem Delta ins Südchinesische Meer ergießt. Wir starteten morgens von Phnom Penh, der Hauptstadt Cambodias, mit dem Ziel Chau Doc, etwa 120 Kilometer entfernt. Das Boot war nicht langsam unterwegs, aber man kommt auf dem Wasser halt doch nicht so schnell vom Fleck. Der Mekong hat hier, wenige 100 Kilometer vor der Mündung schon eine beachtliche Breite von bis zu 1000 Metern. Wir passierten Pfahlbauten und schwimmende Dörfer. Kleine Frachtschiffe wurden überholt oder kamen uns entgegen. Nach drei Stunden war die Grenze erreicht. Als ich den Anleger am cambodianischen Posten sah, wäre ich vor Lachen beinahe ins Wasser gefallen. Der Ponton war halb abgesoffen und dahinter ging es über eine Hühnerleiter zum Grenzbüro hoch. Herrlich. Da waren die Vietnamesen doch schon etwas moderner aufgestellt. Nach dem die Grenzformalitäten geklärt waren, hatten wir noch etwa eine Stunde bis Chau Doc. Um die Stadt zu erreichen verließen wir den Mekong und fuhren über einen Verbindungskanal zum Bassac, einem bereits in Phnom Penh abzweigenden Seitenarm des Mekong. Das Boot musste noch aufgetankt werden und dann hatten wir unser Zwischenziel erreicht. Von dort ging es mit dem Bus weiter nach Can Tho. 

Vielen Dank an Michael! Schaut auf seiner Seite vorbei, lohnt sich!

 

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