Top 5 - StadionVerpflegung

Ein Gastbeitrag der Groundgourmets

Moin Leude und ei gude wie,

wir sind die Groundgourmets, zwei Fußballliebende und Feinschmeckende. Im vergangenen Jahr waren wir zu verschiedenen Touren im europäischen Ausland unterwegs, sowie auf vielen (oft unterklassigen) Sportplätzen, meist in und um Berlin und Hamburg. Anders als die meisten Groundhopper und -hopperinnen nehmen wir insbesondere das kulinarische Angebot des besuchten Etablissements in den Fokus unserer Berichte. Fünf der schmackhaftesten Erlebnisse haben wir im Folgenden für Euch zusammengestellt und wünschen Euch damit viel Spaß. Bleibt gesund. 


5. Frites avec Sauce (Stade Maurice-Dufrasne, Lüttich)

 

Direkt nach der traditionellen Stadionwurst folgen wohl die guten alten Fritten als Objekt der Begierde an den Fußball-Fressbuden der Nationen. Folglich wurden sie auch von uns vergleichsweise oft getestet. Es gab große und kleine, dicke und dünne, heiße und kalte, teure und günstige, knusprige und wabbelige. Bei den goldenen Köstlichkeiten gehen die Geschmäcker ja oftmals auseinander. Die besten Vertreter ihrer Art probierten wir, wie könnte es auch anders sein, im Mutterland der Fritten: Belgien. Beim Heimspiel von Standard Lüttich gegen SV Zulte Waregem genehmigten wir uns eine Portion “Frites avec Sauce” für nur halbschlanke 4,50€. Die frittierten Kartoffelstifte waren, unseres Geschmacks zufolge, perfekt. Kleine Stückchen der Schale verrieten, dass es sich beim Ausgangsprodukt tatsächlich einmal um eine Kartoffel handelte und die Konsistenz war ein perfektes Zusammenspiel aus außen knusprig und innen fluffig. In diese Top 5 geschafft haben es die belgischen Fritten jedoch in erster Linie wegen der unglaublichen Soße. Die „Sauce Andalouse“ ist dort eine gängige Garnierung und tragischerweise hier zu Lande nicht nur kaum bekannt, sondern auch so gut wie nicht zu bekommen. Die auf Mayo und Tomate basierende Köstlichkeit überzeugt durch eine harmonische Gewürzmischung und hätte wohl das Potential, jede Portion Fritten maßgeblich aufzuwerten. 


4. Sucuk im Brötchen (Poststadion, Berlin)

 

Sucuk in Berlin ist inzwischen wahrscheinlich eine ähnlich starke Symbiose wie Handkäs in Mainz. Ein wenig übertrieben, das geben wir zu, aber wir möchten nicht behaupten, dass wir etwas einzuwenden hätten, wenn es soweit käme. Die türkische Knoblauchwurst ist eine derartig geile Erfindung; sie hätte es verdient, auf noch viel mehr Speisekarten dieses Landes (und aller anderen Länder) zu erscheinen. In angebratenem, bzw. angegrilltem Zustand schmeckt sie zudem nochmal um einiges besser, als „roh“. Eingepackt in ein kurz auf dem Grill angeröstetes Brötchen und schon ergibt sich ein kulinarisches Highlight, welches zudem auch bestens ohne Soßen oder zusätzliche Sperenzien wie Salat oder dergleichen auskommt. Ein solches Exemplar erstanden wir für sehr faire 2,50€ im sehr schönen Poststadion Berlin beim Heimspiel des Berliner AK gegen die VSG Altglienicke. Das Ganze war derartig gut, dass wir tief getroffen waren, als unser Versuch uns Nachschub zu beschaffen daran scheiterte, dass der Grill bereits nach der Halbzeitpause abgebaut war und wir uns mit einem Stück Käsekuchen trösten „mussten“. 


3. Erbsensuppe (Karl-Liebknecht-Stadion, Potsdam)

 

Dass die ganz ehrlichen Schätze in Sachen Verpflegung nur in den unterklassigsten Ligen zu finden sind, muss in Anbetracht der kulinarischen Situation bei Babelsberg mal überdacht werden. Immerhin bewegen wir uns da in der Regionalliga und das Angebot ist auf jeden Fall außergewöhnlich. Anlässlich des U19-DFB-Pokalfinals statteten wir dem Karl-Liebknecht-Stadion einen Besuch ab, vorzugsweise um uns einmal durch die Speisekarte zu futtern. Wer den Stand mit Würsten und Steaks gleich am Eingang links liegen lässt und sich hinter die Gegengerade wagt, wird an einer kleinen Holzbude für das Wagnis belohnt. Von Schmalzbrot über warme Waffeln bis hin zu Erbsensuppe ist dort fast alles zu bekommen, womit man nicht rechnet. Erbsensuppe im Stadion. So simpel, so abgefahren und so lecker. Die Vorstellung wie diese Suppe, vor allem auch an kalten Wintertagen, den Magen wärmt, lässt unser Gourmetherz direkt wieder höher schlagen. Daher können wir Euch nur raten, mal auf eine Erbsensuppe (oder auch ein Schmalz- oder Mettbrot) in der Filmstadt vorbeizuschauen. 


2. Cheese&Bacon-Burger (The Oval, Belfast)

 

Das Vereinte Königreich stand, auch trotz Jamie Oliver, nie für eine ausgewogene und vitaminreiche Küche. Vielmehr wird dort so ziemlich alles frittiert, was Bewohnern und Bewohnerinnen der Insel gerade in die Hände fällt. Ob Fleisch, Fisch oder Schokoriegel, alles findet früher oder später seinen Weg ins triefende Fett. Und wenn wir mal ehrlich sind, ist das doch auch genau das, was wir mindestens einmal im Jahr brauchen und wollen. Vorglühen im Pub, zehn Minuten vor Anpfiff ins Stadion und einen vernünftigen Schmierburger in die Hand gedrückt. Das beste Exemplar dieser Art verköstigten wir beim „Belclassico“ im wohl schönsten Stadion der irischen Insel: dem „The Oval“ in Belfast. Käse und Bacon sind schon eine vielversprechende Grundlage und wenn dann auch noch Fleisch und Brötchen harmonieren, steht dem Hochgenuss nichts mehr im Wege. Gleichermaßen schmackhafte Wegbegleiter waren die Fritten und ihr sensationelles Topping aus Knoblauchmajo. In Sachen Schmierburger machen die Nordiren hier einfach alles richtig. Die Freude über dieses kulinarische Highlight wurde nur noch durch den Spielverlauf und die Umstände getoppt, die uns überhaupt ins Stadion gebracht hatten. Nur so viel: involviert waren eine Facebookgruppe, zahlreiche Top-Lads, ein mehr als unseriöser Pub, Peroni und eine gehörige Portion Nervenkitzel. 


1. Jalapeño-Käse-Krainer (Sportplatz Dieselstraße, Hamburg)

 

In der laufenden Saison hätten wir beinah die Oberliga Hamburg vervollständigt. Corona machte uns, wie so vielen, jedoch einen Strich durch die Rechnung und so lassen weiterhin drei Grounds auf sich warten. Trotzdem sind wir in der Vergangenheit also oftmals über die Hamburger Sportplätze getingelt. Nicht selten guckten wir dabei ordentlich in die Röhre, was gute oder außergewöhnliche Verpflegung, oder Verpflegung überhaupt, anging. Während beispielsweise auf den Berliner Sportplätzen oft Sucuk-Brötchen oder auch mal Fladenbrot mit Cevapcici aufgefahren werden, sind die Gemüter im Norden deutlich genügsamer und geben sich meist mit einer Bratwurst oder einer Portion Pommes zufrieden. Aus dieser trägen Masse sticht in jedem Fall Barmbek-Uhlenhorst heraus, denn hier wird die unglaubliche Jalapeño-Käse-Krainer serviert. Wenn alleine der Name bei Euch nicht bereits den Speichelfluss anregt, können wir Euch auch nicht helfen. Schon beim ersten Biss fließt uns der Käse entgegen und eine angenehme Schärfe macht sich in der Mundhöhle breit. Vom ersten bis zum letzten Bissen ein Gedicht. Wurst, Brötchen, Größe und Preis sind wie aus einem Guss und gewinnen unserer Meinung nach den ersten Preis in der Königsdisziplin „Beste Bolzplatzwurst“. Stand jetzt. 

Danke für den Gastbeitrag an die Groundgourmets!

 

Viele weitere Tests der beiden Feinschmecker findet ihr hier:

https://www.instagram.com/groundgourmets/