Top 5 - Reiseziele

Ein Gastbeitrag von Kevin, Kevinalleinunterwegs


Als Malte mich fragte ob ich nicht Lust hätte die coronabedingt reisefreie Zeit durch eine Zusammenfassung meiner Top 5 Reiseziele zu überbrücken, musste ich (@kevinalleinunterwegs) zunächst überlegen, welches denn meine Top 5 sein würden. Zuvor hatte ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht, denn wie das beim Reisen nun mal so ist: Jedes Ziel hat seine Besonderheiten! 


Platz 5:

Rundreise Hamburg, Zürich, Berlin

 

Valentinstag 2014. Microsoft verschenkte 2014 Tickets für den "Surface Love Train", welcher von Hamburg via Köln, Frankfurt und Ludwigsburg nach München fuhr. Ich bestellte mir natürlich direkt Tickets für die komplette Fahrt und plante anschließend noch einen Tag in Zürich zu verbringen.

Am Morgen des 14.01.2014 fuhr ich zunächst mit der Bahn nach Hamburg. Der "Love Train" - ein gecharterter Sonderzug - stand bereits am Gleis. Wie das immer so ist bei Gratis-Tickets: Viele buchen ein Ticket und treten die Reise nicht an und so kam es, dass im 7 Waggons langen Zug nur knapp 30-40 Personen saßen, davon ein Großteil Mitarbeiter von Microsoft und ein Fernsehteam.

In jedem Abteil stand ein Surface zur kostenlosen Nutzung bereit und im Speisewagen gab es gratis Häppchen, Kuchen und Getränke - inklusive Bier. So verging die Zeit wie im Flug und als wir am späten Abend München erreichten wollte kaum einer gerne aussteigen, scherzhaft wurde noch gesagt: Nächstes Jahr fahren wir mit Euch bis nach Rom.

In der Nacht erkundete ich München und am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Allgäu Airport Express, einem regionalen Fernbusanbieter, via Österreich in die Schweiz. Zürich erreichten wir um 10:40 Uhr. Nachdem ich einige schweizer Franken eingewechselt hatte schaute ich mir die Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Da die schweizer Franken zu dem Zeitpunkt fast 1:1 getauscht wurden war fast alles in der Stadt zu teuer für mich. Ein einfacher Fahrschein für den Nahverkehr hätte alleine fast 4 Euro gekostet. So ging ich meine Wege und verbrachte einen Teil des Tages bei bestem Wetter am Zürich See mit Blick auf die Alpen.

Gegen Abend fuhr ich mit dem Nachtbus - via Konstanz, Bodenseefähre und München nach Berlin. Die Fahrt verschlief ich größtenteils. Von Berlin aus ging es anschließend mit MeinFernbus zurück nach Oldenburg.

Würde ich heute so eine lange Reise ohne Übernachtung noch einmal machen?

Nein! Heute bin ich ganz froh darüber beim Reisen ein gebuchtes Zimmer zu haben, aber als Schüler kam es halt oft auf jeden Cent an. 


Platz 4:

London, Hochzeit von Kate & William

 

2011 - das Jahr in dem ich meinen Reiseblog startete. 2011 war ebenfalls das Jahr, als ich das erste Mal allein ins Ausland fuhr und es war das erste - und letzte Mal - dass ich eine Reise über einen Veranstalter gebucht hatte. . Für die zwei Tage in London zahlte ich 89 Euro.

Zunächst fuhr ich am Abend des 28.05.2011 mit dem RegionalExpress nach Hannover. Von dortaus ging es mit dem Reisebus via Bielefeld und Aachen zu einem belgischen Autohof. Gegen ein Uhr nachts mussten wir den Bus wechseln, da dieser eine andere Reisegruppe Richtung Paris brachte. Via Belgien, Niederlande und Frankreich fuhren wir nach Calais, wo wir den Hafen gegen 6 Uhr morgens erreichten. Nach der obligatorischen Kontrolle der französischen Beamten ging es weiter zur Kontrolle der britischen Beamten.

Die Fährfahrt dauerte gut 1 1/2 Stunden und nach einigen Stunden auf den britischen Autobahnen erreichten wir unser Hotel in London. Die Zimmer waren noch nicht bezugsfertig, sodass wir unsere Sachen zunächst in einem Nebenraum einschließen durften.

Anschließend ging es in die Stadt.

Unser Reisebegleiter zeigte uns wie man Tickets für die U-Bahn bucht und kurz darauf ging jeder seine Wege. Da heute die königliche Hochzeit anstand fuhr ich zunächst direkt ins Stadtzentrum. Die Station Westminster war bereits wegen Überfüllung geschlossen. Ich folgte den Menschenmassen bis zur Straße "The Mall", welche nahe des Buckingham Palace liegt.

Zu Anfang stand ich noch in achter oder neunter Reihe und konnte nicht viel erkennen, da aber viele weiter Richtung Palast wollten konnte ich mir schnell einen Platz in erster Reihe sichern. Einige Meter neben mir stand übrigens Barbara Schöneberger, die für das deutsche Fernsehen berichtete.

Nach unzähligen Stunden, Konvois, Marschkapellen, jubelnden Menschen verließ ich zunächst die Straße - ich war ja bereits seit einem Tag ohne Schlaf unterwegs - und fuhr nach dem berühmten Kuss direkt ins Hotel. Erst am Abend machte ich mich wieder auf den Weg in die Innenstadt um den Tag in einem kleinen Pub ausklingen zu lassen.

Der zweite Tag war geprägt vom Typischen Sightseeing, ehe es gegen Abend auf gleichem Wege zurück in die Heimat ging. 


Platz 3:

Berlin, meine "zweite" Heimat

 

Kaum eine andere Metropole habe ich so oft besucht wie Berlin. Als 2011 die Frauen Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand war klar: Zur Eröffnungsfeier werde ich wieder dort sein!

2011 hatte ich noch keine wirkliche Ahnung vom Reisen. Der Sparpreis der Bahn war mit genauso unbekannt wie die günstigen Flugtickets von Ryanair, AirBerlin & co.

Deshalb holte ich mir am Morgen das Schönes-Wochenende-Ticket am Automaten und fuhr mit Regionalbahnen via Hamburg und Schwerin in Richtung Berlin, wo ich gegen Mittag - mit rund 60 Minuten Verspätung - ankam. Vom Hauptbahnhof aus fuhr ich somit direkt weiter zum Olympiastadion. Die Sicherheitskontrolle war schnell überwunden und schon suchte ich meinen Platz in der Kategorie 1. Für das Ticket bezahlte ich 130 Euro.

Ich saß etwa 50 Meter neben der Ehrentribühne, wo beispielsweise Kanzerin Merkel oder Bundespräsident Wulff das Spiel verfolgten. Nachdem letzterer die WM eröffnete begann auch schon die knapp 15 minütige Eröffnungsshow. Das Spiel gegen Kanada gewannen wir natürlich mit 2:1. Nach dem Spiel verbrachte ich den Abend in mehreren Bars am Alexanderplatz, ehe ich am nächsten Tag mit dem Quer-Durchs-Land-Ticket zurück nach Oldenburg fuhr. 


Platz 2:

Fés, Marokko

 

Mein erster Besuch auf dem afrikanischen Kontinent. Für den Hin- und Rückflug hatte ich bei Ryanair nur 20 Euro bezahlt. Für ein paar Cent weniger buchte ich 3 Nächte in einem Hostel der Stadt inklusive Frühstück. Fés ist eine Großstadt mit circa einer Million Einwohnern, wobei rund 400.000 von ihnen in der Medina - der Altstadt leben.

Im November 2017 fuhr ich zunächst mit dem Zug nach Bremen. Nach den obligatorischen Sicherheitskontrollen und dem Check-In verschlief ich einen Großteil des Fluges. An marokkanischen Flughäfen sind die Sicherheitsverkehrungen vergleichbar groß, sodass die Einreise einige Zeit in Anspruch nahm. Anschließend fuhr ich zum Festpreis von 150 Dirham zur dreizehn Kilometer entfernten Medina. Das entspricht einen Kilometerpreis von einem Euro.

Das Hostel in dem ich die nächsten Nächte verbrachte wurde von zwei jungen Brüdern geleitet. Genauso familiär ging es dann auch beim Frühstück zu: Die Mutter der beiden brachte uns selbstgebackenes Brot und Aufstrich, sowie frisch gepressten Orangensaft. Der Orangenbaum stand im Innenhof des Hostels.

Verloren in den Gassen der Medina: Die Altstadt von Fés besteht aus circa 11.000 kleinen Gassen, die nicht einmal Google kartographiert hat und so nutzte ich die Zeit um mich einfach treiben zu lassen. Es gibt mehrere Souk, kleine Stadtviertel, in denen z.B. Lederwaren, Metall und Lebensmittel verarbeitet wurden. Schilder gibt es kaum, meist sind es nur kleine Graffitis an den Wänden, die einen den Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit oder Moschee weisen.

Den letzten Tag meiner Reise nutzte ich um das moderne Fés außerhalb der Medina zu sehen - bei strömenden Regen. Das war aber an sich kein Problem, da die Temperaturen auch im November noch bei rund 20 Grad lagen. Ich kam an einigen schönen Parks und den königlichen Palast vorbei, ehe ich den späten Nachmittag in einem Shoppingcenter ausklingen ließ. Hier konnte man sogar kitschige Weihnachtsdekoration bewundern oder einen teuren, importierten Weihnachtsbaum erwerben (ab ca. 83 Euro aufwärts).

Am Abend schließlich verbrachte ich die letzte Nacht am menschenleeren Flughafen, von wo aus es in der Früh zurück nach Bremen ging. Dort mussten wir im dichten Schneetreiben durchstarten und eine Extrarunde drehen. Pünktlich gegen Mittag war ich wieder in Oldenburg angekommen. 


Platz 1:

Rundreise Ostküste USA

 

Nach kurzem Überlegen stand dann aber fest: Platz 1 dieser Liste ist meine erste Reise alleine außerhalb Europas. Diese liegt nun schon fast 5 Jahre zurück, aber ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen.

02 Juli 2016 - Deutschland spielt im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Italien. Bis zur Verlängerung schaute ich das Spiel noch Zuhause, ehe es im Bahnhof ging. Pünktlich zum Elfmeterschießen erreichte ich den Bahnhof. Jubelschreie waren vom nahegelegenen Public Viewing an der Weser-Ems-Halle zu vernehmen und die Bahn um 00:06 Uhr war gefüllt mit feiernden Fans. Von Bremen aus fuhr ich für einen Euro mit Megabus zum Kölner Flughafen, von wo aus es gegen Mittag mit Eurowings für 249,99 Euro (Retour) weiter nach Boston ging. Nachdem ich überraschend freundlich und schnell in die USA einreisen durfte fuhr ich mit dem städtischen Bus nach Downtown wo ich dank der Zeitverschiebung gegen 16 Uhr ankam. Gegen Abend ging es dann zum eigentlichen Ziel der Reise: New York City. Die Fahrt dorthin hatte ich ebenfalls bei Megabus - für einen Dollar - gebucht. New York erreichte ich fünf Minuten vor dem wichtigsten Feiertag der Amis: Dem Independence Day.

Die nächsten Tage besuchte ich so ziemlich alle touristischen Plätze der Stadt. Am 8 Juli 2016 ging die Reise weiter nach Washington DC, wo ich eine Nacht verbrachte und - im schnelldurchlauf - alle Sehenswürdigkeiten vom Capitol, dem weißen Haus bis zum Lincoln Memorial bei einem langen Spaziergang abklapperte, denn am letzten Tag der Reise - dem 10 Juli 2016 stand die knapp 30 stündige Rückreise in die Heimat an. Am Abend des 9 Juli 2016 fuhr ich zunächst in gut 11 Stunden mit dem Nachtbus zurück nach Boston, wo ich die erste Hälfte des Tages für einen Spaziergang entlang des "Freedom Trails" nutzte, der die Sehenswürdigkeiten der Metropole mit einander verbindet. Die Rückreise glich im Groben der Hinreise, nur dass der Flug knapp 3 Stunden Verspätung hatte - ich folglich um 10 Minuten meinen Fernbus verpasste und somit den halben Tag am Flughafen auf den nächsten Bus Richtung Bremen warten musste. 


Und 2020? Eigentlich wollte ich in diesem Jahr eine Fernreise nach Asien (wohl Thailand) organisieren. In Asien fliegt ja AirAsia teils auch für wenige Euro in so ziemlich jedes Land, ähnlich wie in Europa Ryanair. Ich persönlich sehe das aber in keinster Weise negativ, denn: Die Vorfreude auf eine Reise ist doch auch irgendwie schön. Meinen Fernseher lasse ich jetzt meistens aus, stattdessen schaue ich mir bei Youtube Reisedokus an oder lese diverse Reiseberichte. Bis dahin, bleib Gesund!