Top 5 - Besuchte Städte

Ein Gastbeitrag von Christian, Spoony


5. Groningen

Besuchtes Spiel: FC Groningen – VfB Oldenburg 2:1 (12.07.2014)

Stadion: Sportcomplex VV Haaren

 

Es mag ein wenig einfältig klingen, wenn man in seinen 5 Top Cities eine Stadt aufführt, die nicht einmal 150 Kilometer vom eigenem Wohnort entfernt liegt. Allerdings hat Groningen es absolut verdient in dieser Liste aufzutauchen. Sicherlich hätte ich hier auch Amsterdam, Prag oder auch Krakau aufführen können. Aber die Leser sollen sich ja nicht mit den üblichen Tripadvisor-Empfehlungen rumschlagen, sondern neue Eindrücke bekommen. Trotz der Nähe Groningens zu Oldenburg, merkt man hier schon, dass man sich in einem anderen Land befindet. Sprachlich mag die niederländische Sprache unserem Sprech zwar näher sein als das Bayrische, dennoch ist hier einfach ein anderes Lebensgefühl zu spüren. Ein Aufenthalt in Groningen fühlt sich immer ein wenig an, wie ein kleiner Urlaub, fast so als wäre man irgendwo im Süden. Das Flair ist irgendwie entspannter – und das liegt ganz bestimmt nicht nur daran, das Kiffen hier legal ist.

 Ein Stück weit steht Groningen aber auch stellvertretend für andere niederländische Städte wie Utrecht oder Arnheim, da das Beschriebene durchaus auch für sie gilt. Den drei Städten ist zum Beispiel auch gemein, dass sie mit dem Wasser gebaut sind und darin nicht nur eine Barriere sehen. Zudem sind Groningen und Co. auch wahrlich hübsch anzuschauen. Obgleich ich moderne niederländische Architektur verabscheue sind die baulichen Überbleibsel vergangener Jahrhunderte wirklich eine Augenweide. Doch nun schütte ich auch ein wenig Wasser in den Wein: Als besuchtes Spiel hab ich hier ein Testspiel des VfB Oldenburg gegen den FC Groningen auf einer Art Bezirkssportanlage aufgeführt, an das die Erinnerungen wegen gewisser Substanzen eher dürftig sind. Das hängt damit zusammen, dass das Euroborg-Stadion, die Heimstätte des FC Groningen, den Charme eines Einkaufszentrums hat und bisher noch nicht von der Schreibkraft besucht wurde. Daher ist auch Groningen fußballtechnisch nicht das reizvollste Ziel für Atmo-Hopper. Wer Amateur-Fußball gucken will, soll Berichten zufolge bei Be Quick glücklich werden. Aber momentan wäre wohl jeder Leser dieser Seite froh über einen Kreisligakick um die Ecke. Ahoi!


4. Minsk

Besuchtes Spiel: BATE Borisov – PAOK Thessaloniki 1:4 (04.10.2018)

Stadion: Borisov Arena

 

Während die zuvor beschriebenen Städte sich durch kulturelle Vielfalt auszeichneten, besticht Minsk eher durch kulturelle Einfalt. Denn seit 1994 wird das Weißrussland, dessen Hauptstadt Minsk ist, von dessen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka, der auch als letzte Diktator Europas bezeichnet wird, konsequent abgeschottet. In rund 170 Länder der Erde kommt man mit einem deutschen Reisepass ohne Visum. Weißrussland zählt nicht dazu. Dementsprechend hat man in Minsk den Vorteil, dass man sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt ungestört von Horden an Touristen angucken kann. Zudem hat die Stadt auch architektonisch durchaus seine Vorzüge und weiß nicht nur die Anhänger von sowjetischen Betonwüsten zu begeistern.

Allerdings darf merkt man Minsk an, dass es das Machtzentrum eines Landes ist, das Freiheit nicht als oberste Maxime versteht. Die Straßen sehen aus wie geleckt und es liegt eine merkwürdige Stille über der Stadt. Erlebt habe ich diese Stille sonst nur an den ersten Tagen des Corona-Shutdowns, als sich alle Menschen hinter Klopapierwällen in ihre Hütten verbarrikadierten. Trotz oder gerade wegen dieser eigenartigen Atmosphäre ist Minsk als Reiseziel absolut spannend. Denn hier lebt die gute alte Sowjetunion eben fort. Die Stadt ist mit seinen breiten Prachtstraßen wie gemacht für Militärparaden. Und ganz allgemein ist man hier in einer ganz anderen Welt unterwegs. Allein die kyrillische Schrift auf den Schildern macht einem deutlich, dass man sich aus seiner westlichen Wohlfühloase hinausbewegt hat.

 Aufmerksame Leser dürften bemerkt haben, dass als besuchtes Spiel ein Kick von BATE Borisov aufgeführt wird. Das ist richtig, denn wir waren nicht in der Lage ein Spiel in Minsk zu sehen. Trotz eines Taxisfahrers, der sich nach Kräften bemühte und in Viertel fuhr, die auch ihm fremd waren, gelang es uns nicht den Ground des avisierten Spiels von Torpedo Minsk zu finden. Tatsächlich war es so, dass die erste Häuserreihe an den Hauptstraßen eine schöne Fassade abgab und in den Straßen dahinter Datscha-artige Häuser standen, die wohl eher den Lebensstandard des durchschnittlichen Weißrussen widerspiegeln. Der Kick in Borisov war übrigens feuchtfröhlich. Es sei aber auch gesagt, dass Wolfsburg im Vergleich zu Borisov eine wahre Perle ist, dafür kann die Arena in Langeweile absolut mithalten. Selbst das Publikum bei BATE Borisov ließ einen vergessen, dass man in einem nicht-kapitalistischen Land war, da sich auch hier Klatschpappen reger Benutzung erfreuten. Der Vergleich zu Wolfsburg rührt übrigens daher, dass BATE ebenso wie VW ein Automobilhersteller ist. Den Trip nach Borisov kann man sich also getrost sparen, aber Minsk ist für Liebhaber (post-)sowjetischer Städte ein absolutes Muss!


3. Tallin

Besuchtes Spiel: Levadia Tallinn – JK Nomme Kalju 2:0

Stadion: Kadrioruu staadion

 

Wien und eine Stadt am Mittelmeer sind gewiss nicht die kreativsten Top Cities. London, Paris und Barcelona würden sich nahtlos einreihen. Meine persönliche Nummer drei ist aber die estnische Hauptstadt Tallinn. Obwohl sie nichtmal so viele Einwohner hat wie die Hansestadt Bremen, kann man sie durchaus mit Wien vergleichen. Ebenso wie in Österreichs Hauptstadt, treffen in Tallin verschiedene Kulturen aufeinander, was deutlich wird, wenn man einmal die geografische Lage in Auge nimmt: Tallinn ist rund 2.000 Kilometer nordöstlich von Oldenburg direkt an der Ostsee gelegen. Am gegenüberliegenden nördlichen Ufer befindet sich die finnische Hauptstadt Helsinki. In östlicher Richtung ist St. Petersburg nicht weit entfernt. Auch Stockholm ist per Luftlinie nur rund 500 Kilometer nicht unendlich weit weg. Dadurch wird deutlich, dass hier ähnlich wie in Wien Ost und West aufeinandertreffen. Auf der einen Seite ein skandinavischer Einfluss, auf der anderen Seite ein russischer. Die Esten selbst begreifen sich im Übrigen als baltisches Volk.

Ein Blick auf die Architektur Tallinns verrät, das auch die Deutschen bzw. Hanseaten hier deutliche Spuren hinterlassen haben. Trotz der großen Entfernung kommt einem diese Stadt doch ein wenig vertraut vor. Das Besondere ist jedoch, dass man es hier mit einem mittelalterlichen Zentrum zu tun hat, wie man es eher aus Süddeutschland kennt und zugleich einen direkten Blick auf die Ostsee genießen kann. Reizvoll ist auch die Unterschiedlichkeit der Stadt, ein historisches Zentrum wird umgeben von einer modernen City umgeben, wie man es aus Westeuropa kennt. In den Außenbezirken wird jedoch auch die sowjetische Vergangenheit der Stadt deutlich, denn hier prägen Plattenbauten das Stadtbild. Neben dem vertrauten Hipster, trifft man in Tallinn also auch immer wieder den Onkel aus der Platte.

 Während die Stadt von Touris durchaus überlaufen wird, interessiert Fußball hier jedoch keine Sau. Ganze 560 Zuschauer guckten sich die Erstliga-Partie zwischen Levadia Tallinn und dem JK Nomme Kalju an. Handgezählte siebeneinhalb Möchtegern-Ultras machten auf dicke Hose aber rissen uns auch nicht gerade aus den Sitzschalen. Das Catering war für uns jedoch die größere Attraktion. Es wird langsam zum Muster: Die Stadt ist absolut sehenswert, der Fußball nicht.


2. Wien

Besuchtes Spiel: Rapid Wien – SKN St. Pölten 0:2 (29.09.2018)

Stadion: Allianz-Stadion

 

Wien. Heute ist dies Hauptstadt einer kleinen Bergrepublik zwischen Deutschland und Italien. In der Vergangenheit jedoch wurde von hier aus ein Reich regiert, das vom Mittelmeer bis in die heutige Ukraine reichte. Dementsprechend wirkt diese Stadt auch nicht wie das Oberzentrum eines Bergvolkes sondern wie eine Metropole, wie ein Schmelztiegel der Kulturen. Der Stadt ist anzumerken, dass Ost und West hier aufeinandertreffen. Auf den Straßen sind allerlei Sprachen zu hören. Und der Naschmarkt hat seinen Namen wahrlich verdient, sind hier doch tatsächlich Gewürze und Speisen aus aller Welt zu finden. Hier kumuliert die multikulturelle Vielfalt Wiens.

Nicht weit von dort entfernt befindet sich auch das historische Zentrum. Die Architektur atmet geradezu die reichhaltige und lange Historie der Stadt und strahlt, welche Bedeutung diese Stadt in der Vergangenheit gehabt hat. Die Augen wissen kaum in welche Richtung sie sich richten sollen, da überall architektonische Highlights aufwarten. Als wir dann den Stephansdoms besichtigen und eine Führung durch die Katakomben zu machen gedachten, erfuhren wir erst , dass wir unsere Kopfbedeckung abzunehmen haben. Danach teilte man uns mit, dass derzeit keine Führungen stattfänden, da irgendein Feiertag anstünde, der dieses verbieten würde. Das mit dem Katholizismus nehmen die in Wien also echt ernst. Bei unserer Reise merkten wir, dass die Wiener noch etwas ernstnehmen: Das Rauchverbot. Wir hatten das Vergnügen den letzten Abend in Wiens Kneipen verbringen zu dürfen, an dem dort geraucht werden durfte, wovon selbst die Nichtraucher Gebrauch machten.

 Natürlich war auch bei dieser Reise der Fußball der Anlass. Endlich wollten wir den sagenumwobenen SK Rapid Wien spielen sehen. Auch wenn der Gegner der Provinzclub SKN St. Pölten heißen sollte, waren wir voller Vorfreude auf den Kick. Das Stadion gilt zwar als 08/15-Neubau und auch von dem Treiben auf dem Rasen erwarteten wir angesichts der Rufes der österreichischen Liga nicht viel. Aber der Fanszene der Grün-Weißen eilt der Ruf voraus, zu den besten Europas zu gehören. Doch schon vor Anpfiff merkten wir, dass auch hier der Alltag trist und grau sein kann. Um das Stadion überhaupt annähernd gefüllt zu bekommen, wurden Feuerwehrleute aus dem ganzen Land eingeladen. Aber wen interessiert schon die breite Masse der Zuschauer. Das Intro war dann recht ordentlich, der darauffolgende Support ebenso, entsprach aber keineswegs unseren zugegebenermaßen hohen Erwartungen. Das Gebolze der Mannschaft mag seinen Anteil haben, da sie selbst gegen die Dorftruppe der SKN St. Pölten wahrlich keine gute Figur machte. Allerdings wusste selbst die legendäre Rapidviertelstunde nicht wirklich zu begeistern. Dementsprechend lässt sich festhalten, dass Wien ein absolut lohnenswertes Reiseziel ist, fußballtechnisch sollte man aber das Wiener Derby ansteuern, wenn man die Rapidler in ihrer ganzen Pracht erleben will.  


1. Nizza

Besuchtes Spiel: OGC Nizza II - HSC Montpellier 1:0 (01.10.2016)

Stadion: Stade Charles Ehrmann

 

Bisher war ich als norddeutscher Lümmel eher im Norden und Osten Europas unterwegs. Den Süden unseres Kontinents kannte ich bisher nur von einem Kroatien-Urlaub in meiner frühen Jugend. Dementsprechend war unsere Reise im Herbst 2016, als wir vom Genfer Flughafen aus mit dem Mietwagen an die Cote d’Azur fuhren, eine meiner ersten Erfahrungen mit Südeuropa. Alleine die Autobahnfahrt hat mich schon fasziniert. Während die Horizonte anfangs durch die Alpen gekennzeichnet waren, veränderte sich die Landschaft zusehends und wurde immer mediterraner. Während zuhause rechts und links der Autobahn Kuhweiden den Weg säumen, sind es hier Weinreben. Es ist schon ein Unterschied, ob auf den Autobahnschilder den Weg gen Westerstede oder Varel weisen, oder nach Cannes und St. Tropez. Die Aussicht über die Dächer von Cannes und das azurblaue Meer hat mich schon beeindruckt. In Nizza selbst erwartete uns das das pulsierende Treiben, wie man es sich in einer mediterranen Stadt vorstellt. Enge Gassen, volle Straße und viel Gehupe. Das alles inmitten von Palmen und einer atemberaubenden Architektur. Unser Hostel lag in Fußmarschnähe zum Stand. Nur wenige Monate hatte sich dort an der Promenade des Anglais ein Terroranschlag ereignet. Noch immer waren in der ganzen Stadt Sicherheitskräfte zu sehen. Der Lebensfreude der Menschen tat dies jedoch keinen Abbruch, die Straßen waren proppenvoll und einer gedrückten Stimmung war absolut nichts zu spüren. Der einzige Wehrmutstropfen war, dass die Franzosen es wahrlich nicht mit Bier, Ale oder Cider haben. Und das trotz dessen, dass die Stadt durch Engländer geprägt wurde.

 Obwohl es schon Oktober war, ließen wir uns als Gäste aus dem hohen Norden nicht nehmen ein Bad im Mittelmeer zu nehmen, was uns aber auch als genauso solche geoutet hat. Fußball haben wir auch geguckt. Aufgrund einer kurzfristigen Verlegung konnten wir jedoch ein Spiel der Zweivertretung des heimischen OGC Nizza gegen die Zwote vom HSC Montpellier sehen. Die Partie sollte im Stade Charles Ehrmann ausgetragen werden. Einem Leichtathletik-Stadion, das seine besten Tage hinter sich hatte. Am Eingang wurden Tickets verteilt, obwohl kein Eintritt zu zahlen war. Der Kick selbst war dann sterbenslangweilig, sodass wir in der Halbzeit überlegten, ob wir nicht noch zur Partie der zweiten Mannschaft des AS Monaco rüberfahren. Leider hatte sich die Mehrheit nicht meiner Meinung angeschlossen, dass es sic h dabei um einen weiteren Länderpunkt gehandelt hätte. Dementsprechend schauten wir weiter dem Gekicke zu, dessen Endstand 1:0 lauten sollte. Auch wenn das fußballtechnisch nicht das Gelbe vom Ei war, hatte sich diese Reise nach Nizza absolut gelohnt! Eine Reise dorthin kann ich wärmstens empfehlen. An der Cote d’Azur lässt es sich halt leben wie Gott in Frankreich.

Vielen Dank an Christian für den Beitrag!

 

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